Es hat mir Vergnügen gemacht, Ihnen durch Einrückung Ihrer Uebersetzungen aus Dante und Shakespear in die Horen zu einer Einnahme Gelegenheit zu geben, wie man sie nicht immer haben kann, da ich aber vernehmen muß, dass mich HE. Frid. Schlegel zu der nehmlichen Zeit, wo ich Ihnen diesen Vortheil verschaffe, öffentlich deßwegen schilt, und der Uebersetzungen zuviele in den Horen findet, so werden Sie mich für die Zukunft entschuldigen.
Und um Sie, einmal für allemal, von einem Verhältniß frey zu machen, das für eine offene Denkungsart und eine zarte Gesinnung nothwendig lästig seyn muß, so lassen Sie mich überhaupt eine Verbindung abbrechen, die unter so bewandten Umständen gar zu sonderbar ist, und mein Vertrauen zu oft schon compromittierte.
Jena 31. May. 97
Sch.
[A. W. Schlegel]
An Schiller.
Im höchsten Grade betroffen über Ihre unerwartete Erklärung, die einem Verhältnisse ein Ende machen soll, welches ich zu den glücklichsten Umständen meines hiesigen Lebens rechnete, eile ich nur wenigstens einige Zeilen zu meiner Rechtfertigung hinzuwerfen, in der Hoffnung daß Sie mir Gelegenheit geben werden, Ihnen jeden Zweifel über die Geradheit meines Betragens, der Ihnen beygebracht seyn könnte, zu benehmen.
Da ich durchaus keine Art von Autorität über meinen Bruder besitze, keine Macht ihn von etwas abzuhalten, was ich auch noch so sehr misbilligen möchte, so würde ich in der That sehr unglücklich seyn, wenn ich für alle seine Schritte (die ich überdieß erst hinterdrein erfahre wenn Sie schon öffentlich geworden sind) verantwortlich gemacht werden sollte. Wenn mein Rath und meine dringenden Vorstellungen etwas gefruchtet hätten, so hätte er seinen Brief über den Almanach von 96 gar nicht drucken lassen. Daß diese Manier zu urtheilen mit einigen spottenden Einfällen erwiedert ward, fand ich sehr natürlich und billig, und hätte von Herzen gewünscht, daß er es dabei hätte bewenden lassen. Er kannte den Grad meiner Anhänglichkeit an Sie, und es war also eine ausgemachte Sache unter uns, daß er sich nie gegen mich über irgend etwas äußerte, was mein Verhältniß zu Ihnen auf das entfernteste betraf. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu betheuern, daß er mir eine Beurtheilung der Horen, die auch gegen mich mit gerichtet war, weil ich es mir zur Ehre schätze, daran bis jetzt Theil genommen zu haben, nicht vor dem Drucke wird gezeigt haben. Noch bis jetzt habe ich sie nicht gelesen. Die Art, wie ich letzthin über die Streitigkeit mit Woltmann mit Ihnen sprach, muß Sie davon überzeugen. Ich weiß auch nicht wie viel Antheil er an jener Rezension hat, vermuthe aber aus Aeußerungen von ihm über die Woltmannsche Sache, daß er sie nicht ganz gemacht.
Woltmann hat hier in Jena ausgebreitet, nicht mein Bruder sondern meine Frau habe das Urtheil über den Theoderich geschrieben. Wenn dieß Gerücht auch zu Ihnen gekommen ist, wie ich vermuthen muß (ich hatte schon am Sonnabend Abend die Absicht, mit Ihnen davon zu sprechen), so betheure ich Ihnen hiermit auf meine Ehre daß es eine Unwahrheit ist, daß meine Frau weder über den Theoderich noch sonst auch nur eine Zeile an jener Rezension geschrieben hat. Ich bin zu Woltmann gegangen, und habe ihn über dieses unbesonnene und, da er das Urtheil für unverschämte Lüge oder Ignoranz erklärt hat, höchst beleidigende Geschwätz sehr ernsthaft zur Rede gestellt. Er hat auch gleich so weit zurückgezogen, daß er vorgegeben hat, er habe es nur aus Vermuthung geäußert, weil er aus den Billetern meines Bruders vermuthe daß dieser nicht selbst Verfasser sey, aber den ihn nahe angehenden Verfasser vertreten wolle. Dieß ist indessen nur eine Ausflucht von ihm, und wenn er länger hier geblieben wäre, so würde ich ihn genöthigt haben, jene Behauptung bei Personen wo er sie bestimmt geäußert förmlich zu widerrufen.
Ich bin mir bewußt, ihr Vertrauen nie, auch in der geringsten Kleinigkeit nicht gemisbraucht und nie der Dankbarkeit entgegen gehandelt zu haben, die ich Ihnen für so viel Güte und Theilnahme an meinem Glück ewig schuldig bin. Wenn Sie je einige Freundschaft für mich gehegt haben, so versagen Sie mir die Bitte nicht, Ihnen bald mündlich meine gänzliche Unschuld an diesem unglücklichen Misverhältniß darzulegen; soll es mich aber durchaus ihres Umganges berauben, so werde ich doch nie aufhören mit der wärmsten Verehrung und Anhänglichkeit zu seyn