Der symbolische Gebrauch des Feuers verwickelt Sie in eine Schwierigkeit, die ich kaum für auflöslich halte, doch muß ich Sie darauf aufmerksam machen. Wie das natürliche Feuer dem ganzen Menschengeschlecht kann mitgetheilt werden, indem ein Gott es einem einzelnen Menschen schenkt, das ist begreiflich: aber um das übersinnliche Feuer den Menschen mitzutheilen, müßte Prometheus es entweder allen existierenden Individuen einflößen, und also den Actus hunderttausendfältig wiederhohlen, oder er muß einen neuen Menschen (oder vielmehr ein neues Menschenpaar) bilden, von dem das ganze Geschlecht entspringt und das Feuer erbt. Wo kommen aber nun die existierenden Menschen hin, von denen eben ja die Rede war, für welche Prometheus das Mitleid empfand, die den Gedanken in ihm veranlaßt haben? Eh er seinen neuen Menschen bildet, ist schon ein ganzes lebendes Geschlecht da – wohin kommt das? u. dergleichen Fragen mehr, die sich von selber aufdringen.
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Ihr Gedicht überrascht mich sehr angenehm. Es ist überaus zart und lieblich, und eben so schön ausgedrückt als empfunden.
Von den Abänderungen die Herr G. mit seinem Gedicht vorgenommen, soll Gebrauch gemacht werden. Ich werde ihn recht gerne kennen lernen. Weil ich aber schon seit mehreren Wochen anfangs durch die entsetzliche Hitze und jetzt durch einen Catarrh mich sehr angegriffen fühle, daß ich an nichts Interesse nehmen mag, so will ich noch ein paar Tage abwarten und ihn dann zu mir einladen.
Es wäre schön, wenn Sie noch eine Ballade in den Almanach stiften wollten und Platz wollte ich schon finden. Ich habe ohnehin gern einen Vorwand bey mir selbst, manche überlästige Herren, die sich im Almanach aufpakten, wieder herauszuwerfen. Die Zudringlichkeit dieser Herren ist über alle Begriffe.
S.
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Ein Herr G. (vielleicht Grieß) schickt mir aus Schwarzburg ein Gedicht Phaethon zu und schreibt mir dabey, daß er durch Ihre Vermittlung zu erfahren wünsche, ob ich es aufnehmen werde . Ich finde viel Gutes darinn und werde es noch in den Almanach setzen, wenn ihm auch noch einige Figuranten Platz machen müßten. Wollen Sie ihn wenn er sich an Sie gewendet hat, davon benachrichtigen, und zugleich anfragen, ob er seinen Nahmen nicht darunter setzen will?
Die Correctur senden Sie nur unmittelbar an Herrn Göpferdt.
S.