Ueber alles Dieses und noch viel Anderes, worüber die Freunde Goethe’s und Lavaters nach Lesung dieses Büchleins Aufschluß verlangen möchten, gedachte der Herausgeber in seinem Vorwort zu berichten. Aber der Tod überraschte ihn während des Druckes der Briefe. Er starb in Zürich im Februar dieses Jahres, im 66sten Jahr seines Alters, schmerzlich beweint und vermißt von Allen, denen das Glück seines Umgangs zu Theil ward. Er war der Verfasser der in 3 Auflagen erschienenen „Eugenia’s Briefe“.

Die Herausgabe dieser Goethe’schen Briefe hat seine letzten Stunden beschäftigt, und gewiß werden die Freunde Goethe’s dieselbe als ein Verdienst um die deutsche Literatur betrachten.

Die Verlagshandlung.

Briefe
Goethe’s
an
Lavater.

1.

An Lavatern.[1]

Bruder, was neckst du mich wegen meines Amusements. Ich wollt ich hätt eine höhere Idee von mir und meiner Bestimmung, so wollt ich weder meine Handlungen Amusements nennen, noch mich statt zu handeln amüsiren. Doch du hast deinen Zweck erreicht.

An Pfenninger.

Danke dir lieber Bruder für deine Wärme um deines Bruders Seeligkeit. Glaube mir es wird die Zeit kommen da wir uns verstehen werden. Lieber Du redest mit mir als einem Unglaubigen, der begreifen will, der bewiesen haben will, der nicht erfahren hat. Und von all dem ist gerade das Gegentheil in meinem Herzen. Du wirst viel Erläuterung finden in dem Msbt. das ich Euch bald schicke. Bin ich nicht resignirter im Begreifen und Beweisen als ihr? Hab ich nicht eben das erfahren als ihr? — Ich bin vielleicht ein Tohr dass ich euch nicht den Gefallen thue mich mit euern Worten auszudrücken, und daß ich nicht einmahl durch eine reine Experimental Psychologie meines Innersten, euch darlege daß ich ein Mensch bin und daher nichts anders sentiren kann als andre Menschen, daß das alles was unter uns Widerspruch scheint nur Wortstreit ist der daraus entsteht weil ich die Sachen unter andern Combinationen sentire und drum ihre Relativität ausdrückend, sie anders benennen muß. Welches aller Controversien Quelle ewig war und bleiben wird.

Und daß du mich immer mit Zeugnissen packen willst! Wozu die? Brauch ich Zeugniß daß ich bin? Zeugniß daß ich fühle? — Nur so schäz, lieb, bet ich die Zeugnisse an, die mir darlegen, wie tausende oder einer vor mir eben das gefühlt haben, das mich kräftiget und stärket.