In dem Buche des Erreurs et de la vérité das ich angefangen habe, welche Wahrheit! und welcher Irrthum! Die tiefsten Geheimnisse der wahrsten Menschheit mit Strohseilen des Wahns und der Beschränktheit zusamen gehängt.
In der Silhouette hätt ich so viel innerliches nicht gesucht, mehr sinnliches.
Wenn ich vom alten König höre ist mirs als wenn mich der Prediger auf einen hohen Berg führte, und mich dort einen Trauerblick auf die Menschen und ihre Herrlichkeit thun hiese. Dem Kayser gönne ich allen Seegen. Gieb acht! gieb acht! sein Kopf steht gut. Irr ich nicht sehr, so fehlts am Herzen, das zum grosen Menschen, zur That wie zur Kraft, unentbehrlich ist, und durch Vernunft nicht zu ersezzen ist.
Die nächsten Wochen des Frühlings sind mir sehr geseegnet, ieden Morgen empfängt mich eine neue Blume und Knospe. Die stille, reine, immer wiederkehrende Leidenlose Vegetation tröstet mich oft über der Menschen Noth, ihre moralischen noch mehr phisischen Uebel.
Hast du bey deiner Reise durch Colmar auf einen jungen Grafen Wartensleben geachtet, seine Mutter schrieb dir einmal über ihn? Sag mir etwas was du dich von ihm erinnerst.
Die Gemählde erwart ich also stündlich von Leipzig und freue mich sehr darauf. Grüß Frau und Kinder.
den 9. Apr. 81.
G.
34.
Wenn ich ein Quartblat von dir sehe, ergözze ich mich iederzeit, Dank für deine beyden Briefe.