Gräfin.
Wie Sie denken können, nach der Alteration, die mich bei meinem
Eintritt überfiel.

Magister. Es tat mir herzlich Leid; doch, hoff' ich, soll es von keinen Folgen sein. Überhaupt aber kann Ihnen schwerlich der Aufenthalt hier so bald angenehm werden, wenn Sie ihn mit dem vergleichen, den Sie vor kurzem genossen haben.

Gräfin.
Es hat auch große Reize, wieder zu Hause bei den Seinigen zu wohnen.

Magister. Wie oftmals hab' ich Sie um das Glück beneidet, gegenwärtig zu sein, als die größten Handlungen geschahen, die je die Welt gesehen hat, Zeuge zu sein des seligen Taumels, der eine große Nation in dem Augenblick ergriff, als sie sich zum ersten Mal frei und von den Ketten entbunden fühlte, die sie so lange getragen hatte, dass diese schwere fremde Last gleichsam ein Glied ihres elenden, kranken Körpers geworden.

Gräfin.
Ich habe wunderbare Begebenheiten gesehen, aber wenig Erfreuliches.

Magister.
Wenngleich nicht für die Sinne, doch für den Geist. Wer aus großen
Absichten fehl greift, handelt immer lobenswürdiger, als wer dasjenige
tut, was nur kleinen Absichten gemäß ist. Man kann auf dem rechten
Wege irren und auf dem falschen recht gehen— —

Vierter Auftritt
Die Vorigen. Luise.

(Durch die Ankunft dieses vorzüglichen Frauenzimmers wird die Lebhaftigkeit des Gesprächs erst gemildert und sodann die Unterredung von dem Gegenstande gänzlich abgelenkt. Der Magister, der nun weiter kein Interesse findet, entfernt sich, und das Gespräch unter den beiden Frauenzimmern setzt sich fort, wie folgt.)

Gräfin.
Was macht mein Sohn? Ich war eben im Begriff, zu ihm zu gehen.

Luise. Er schläft recht ruhig, und ich hoffe, er wird bald wieder herumspringen und in kurzer Zeit keine Spur der Beschädigung mehr übrig sein.