Vierter Auftritt

Der Wirt [liest und spricht dazwischen].
»Und Gönner« - Ist er fort? - »Die viele Gütigkeit,
Die mir so manchen Fehl verziehen hat, verzeiht
Mir, hoff ich, diesmal auch.« - Was gibt's denn zu verzeihen?
»Ich weiß es, gnädger Herr, daß Sie sich mit mir freuen.«
Schon gut! - »Der Himmel hat mir heut ein Glück geschenkt,
Das jeden Bauern freut, und manchen Reichen kränkt,
Er hat vom sechsten Sohn mein liebes Weib entbunden.«
Ich bin des Tods! »Ganz früh hat er sich eingefunden,
Der Knab« - Der Balg! Der -! O ersäuft! erdrosselt ihn!
»Nun macht Ihr gütig Hetz mich armen Mann so kühn« -
Ach ich ersticke fast! »Und bitte Ihro Gnaden -!«
An Galgen mit dem Hund, den Schindersknecht zum Paten!
Wie heißt er denn, der Kerl mit seiner Hecke da?
Franz. Ah, nun kommt Latein! Can - Candidatus? Ja.
Ein Kandidat, o ja, die sind sonst wohl bei Blute.
Theologiae; und - wie? Pachter auf dem Gute.
Wart nur, das geht dir nicht so ungenossen aus!
Alcest! Ich will dich schon! Du sollst mir aus dem Haus!
Mich, einen alten Mann, so schändlich anzuführen!
Wie möcht ich ihm an Hals! Ich ließ ihn gern zitieren.
Doch meine Tochter! O! das Henkersding geht schief!
Und ich verrate sie um den Gevatternbrief!
[Er faßt sich in die Perücke.]
Schweinsaug'ger Ochsenkopf mit wahren Eselsohren!
Der Brief! Das Geld! Der Streich! Ich bin als wie verloren,
So dumm! So voll Begier nach Rach und Prügeln. Ha!
[Er erwischt einen Stock und läuft auf dem Theater herum.]
Ist denn kein Buckel nicht für meinen Hunger da?
O wär ich doch ein Wind mit ein paar hundert Flügeln,
Ich möcht die ganze Welt, Sonn, Mond und Sterne prügeln.
Ich sterbe, wenn ich nicht - Zerbräch nur eins ein Glas,
So hätt ich doch Raison; beging der Jung nur was!
[Er stößt auf seinen Sessel und prügelt ihn aus.]
Weh, bist du staubig! Nun komm her, du sollst mich laben.
Alcest! o könnt ich doch so deinen Buckel haben!

Fünfter Auftritt

[Der Wirt schlägt immer fort. Söller kommt ganz in der ersten Kulisse heraus und erschrickt; er ist im Domino, die Maske auf den Arm gebunden, und hat ein halbes Räuschchen.]

Söller.
Was gibt's? Was? Ist er toll? Nun sei auf deiner Hut,
Das wär ein schön Emploi, des Sessels Substitut!
Was für ein böser Geist mag doch den Alten plagen?
[Zum Parterre.]
Wer Herz von Ihnen hat, der komm herauf und frag'en!

Wirt [ohne Söllern zu sehn].
Ich kann nicht mehr! o weh! es schmerzt mich Rück' und Arm!
[Er wirft sich in den geprügelten Sessel.]
Ich schwitz am ganzen Leib.

Söller [vor sich].
Ja, ja, Motion macht warm.
[Er zeigt sich dem Wirt.]
Herr Vater!

Wirt.
Ah, Mosje! Er lebt die Nacht beim Sause,
Ich quäle mich zu Tod, und Er läuft aus dem Hause?
Da trägt der Fastnachtsnarr zum Tanz und Spiel sein Geld,
Und lacht, wenn hier im Haus der Teufel Fastnacht hält!

Söller.
So aufgebracht?

Wirt.
O wart, ich will mich nicht mehr quälen.