Eugenie.
Und sollten ihm geheime Feinde drohen?
Herzog.
Wer die Gefahr verheimlicht, ist ein Feind.
Wo sind wir hingeraten! Meine Tochter!
Wie hat der sonderbarste Zufall uns
Auf einmal weggerissen nach dem Ziel.
Unvorbereitet red' ich, übereilt
Verwirr' ich dich, anstatt dich aufzuklären.
So musste dir der Jugend heitres Glück
Beim ersten Eintritt in die Welt verschwinden.
Du konntest nicht in süßer Trunkenheit
Der blendenden Befriedigung genießen.
Das Ziel erreichst du; doch des falschen Kranzes
Verborgne Dornen ritzen deine Hand.
Geliebtes Kind! So sollt' es nicht geschehn!
Erst nach und nach, so hofft' ich, würdest du
Dich aus Beschränkung an die Welt gewöhnen,
Erst nach und nach den liebsten Hoffnungen
Entsagen lernen, manchem holden Wunsch.
Und nun auf einmal, wie der jähe Sturz
Dir vorbedeutet, bist du in den Kreis
Der Sorgen, der Gefahr herabgestürzt.
Misstrauen atmet man in dieser Luft,
Der Neid verhetzt ein fieberhaftes Blut
Und übergibt dem Kummer seine Kranken.
Ach, soll ich nun nicht mehr ins Paradies,
Das dich umgab, am Abend wieder kehren,
Zu deiner Unschuld heil'gen Vorgefühl
Mich von der Welt gedrängter Posse retten!
Du wirst fortan, mit mir ins Netz verstrickt,
Gelähmt, verworren, dich und mich betrauern.
Eugenie.
Nicht so, mein Vater! Konnt' ich schon bisher,
Untätig, abgesondert, eingeschlossen,
Ein kindlich Nichts, die reinste Wonne dir,
Schon in des Daseins Unbedeutenheit
Erholung, Trost und Lebenslust gewähren:
Wie soll die Tochter erst, in dein Geschick
Verflochten, im Gewebe deines Lebens
Als heitrer bunter Faden künftig glänzen!
Ich nehme teil an jeder edlen Tat,
An jeder großen Handlung, die den Vater
Dem König und dem Reiche werter macht.
Mein frischer Sinn, die jugendliche Lust,
Die mich belebt, sie teilen dir sich mit,
Verscheuchen jene Träume, die der Welt
Unüberwindlich ungeheure Last
Auf eine Menschenbrust zerknirschend wälzen.
Wenn ich dir sonst in trüben Augenblicken
Ohnmächt'gen guten Willen, arme Liebe,
Dir leere Tändeleien kindlich bot;
Nun hoff' ich, eingeweiht in deine Pläne,
Bekannt mit deinen Wünschen, mir das Recht
Vollbürt'ger Kindschaft rühmlich zu erwerben.
Herzog.
Was du bei diesem wicht'gen Schritt verlierst,
Erscheint dir ohne Wert und ohne Würde;
Was du erwartest, schätzest du zu sehr.
Eugenie.
Mit hoch erhabnen, hoch beglückten Männern
Gewalt'ges Ansehn, würd'gen Einfluss teilen,
Für edle Seelen reizender Gewinn!
Herzog.
Gewiss! Vergib, wenn du in dieser Stunde
Mich schwächer findest, als dem Manne ziemt.
Wir tauschten sonderbar die Pflichten um:
Ich soll dich leiten, und du leitest mich.
Eugenie.
Wohl denn, mein Vater, tritt mit mir herauf
In diese Regionen, wo mir eben
Die neue, heitre Sonne sich erhebt!
In diesen muntren Stunden lächle nur,
Wenn ich den Inbegriff von meinen Sorgen
Dir auch eröffne.
Herzog.
Sage, was es ist.
Eugenie.
Der wichtigen Momente gibt's im Leben
Gar manche, die mit Freude, die mit Trauer
Des Menschen Herz bestürmen. Wenn der Mann
Sein Äußeres in solchem Fall vergisst,
Nachlässig oft sich vor die Menge stellt,
So wünscht ein Weib noch, jedem zu gefallen,
Durch ausgesuchte Tracht, vollkommnen Schmuck
Beneidenswert vor andern zu erscheinen.
Das hab' ich oft gehört und oft bemerkt,
Und nun empfind' ich im bedeutendsten
Momente meines Lebens, dass auch ich
Der mädchenhaften Schwachheit schuldig bin.
Herzog.
Was kannst du wünschen, das du nicht erlangst?