Sekretär.
Was ahnest du? Was weißt du?
Weltgeistlicher.
Lass uns das
Auf ein Gespräch der Mitternacht versparen.
O dieses Mädchens trauriges Geschick
Verschwindet, wie ein Bach im Ozean,
Wenn ich bedenke, wie verborgen ihr
Zu mächtiger Parteigewalt euch hebt
Und an die Stelle der Gebietenden
Mit frecher List euch einzudrängen hofft.
Nicht ihr allein; denn andre streben auch,
Euch widerstrebend, nach demselben Zweck.
So untergrabt ihr Vaterland und Thron;
Wer soll sich retten, wenn das Ganze stürzt?
Sekretär.
Ich höre kommen! Tritt hier an die Seite!
Ich führe dich zu rechter Zeit herein.
Zweiter Auftritt
Herzog. Sekretär.
Herzog.
Unsel'ges Licht! Du rufst mich auf zum Leben,
Mich zum Bewusstsein dieser Welt zurück
Und meiner selbst. Wie öde, hohl und leer
Liegt alles vor mir da, und ausgebrannt,
Ein großer Schutt, die Stätte meines Glücks.
Sekretär.
Wenn jeder von den Deinen, die um dich
In dieser Stunde leiden, einen Teil
Von deinen Schmerzen übertragen könnte,
Du fühltest dich erleichtert und gestärkt.
Herzog.
Der Schmerz um Liebe, wie die Liebe, bleibt
Unteilbar und unendlich. Fühl' ich doch,
Welch ungeheures Unglück den betrifft,
Der seines Tags gewohntes Gut vermisst.
Warum o! Lasst ihr die bekannten Wände
Mit Farb' und Gold mir noch entgegen scheinen,
Die mich an gestern, mich an ehegestern,
An jenen Zustand meines vollen Glücks
Mich kalt erinnern. O warum verhüllet
Ihr nicht Gemach und Saal mit schwarzem Krepp!
Dass, finster wie mein Innres, auch von außen
Ein ewig nächt'ger Schatten mich umfange.
Sekretär.
O möchte doch das Viele, das dir bleibt,
Nach dem Verlust als etwas dir erscheinen.
Herzog.
Ein geistverlassner körperlicher Traum!
Sie war die Seele dieses ganzen Hauses.
Wie schwebte beim Erwachen sonst das Bild
Des holden Kindes dringend mir entgegen!
Hier fand ich oft ein Blatt von ihrer Hand,
Ein geistreich, herzlich Blatt zum Morgengruß.
Sekretär.
Wie drückte nicht der Wunsch, dich zu ergötzen,
Sich dichtrisch oft in frühen Reimen aus.