Zweiter Auftritt
Eugenie. Gerichtsrat.

Gerichtsrat.
Indem du mir, verehrte Schöne, nahst,
So zweifl' ich fast, ob man mich treu berichtet.
Du bist unglücklich, sagt man; doch du bringst,
Wohin du wandelst, Glück und Heil heran.

Eugenie.
Find' ich den ersten, dem aus tiefer Not
Ich Blick und Wort entgegen wenden darf,
So mild und edel, als du mir erscheinst;
Dies Angstgefühl, ich hoffe, wird sich lösen.

Gerichtsrat.
Ein viel Erfahrner wäre zu bedauern,
Wär' ihm das Los gefallen, das dich trifft;
Wie ruft nicht erst bedrängter Jugend Kummer
Die Mitgefühle hilfsbedürftig an!

Eugenie.
So hob ich mich vor kurzem aus der Nacht
Des Todes an des Tages Licht herauf,
Ich wusste nicht, wie mir geschehn! Wie hart
Ein jäher Sturz mich lähmend hingestreckt.
Da rafft' ich mich empor, erkannte wieder
Die schöne Welt, ich sah den Arzt bemüht,
Die Flamme wieder anzufachen, fand
In meines Vaters liebevollem Blick,
An seinem Ton mein Leben wieder. Nun
Zum zweiten Mal, von einem jähern Sturz,
Erwach' ich! Fremd und schattengleich erscheint
Mir die Umgebung, mir der Menschen Wandeln,
Und deine Milde selbst ein Traumgebild.

Gerichtsrat.
Wenn Fremde sich in unsre Lage fühlen,
Sind sie wohl näher als die Nächsten, die
Oft unsern Gram als wohlbekanntes Übel
Mit lässiger Gewohnheit übersehn.
Dein Zustand ist gefährlich! Ob er gar
Unheilbar sei, wer wagt es zu entscheiden!

Eugenie.
Ich habe nichts zu sagen! Unbekannt
Sind mir die Mächte, die mein Elend schufen.
Du hast das Weib gesprochen, jene weiß;
Ich dulde nur dem Wahnsinn mich entgegen.

Gerichtsrat.
Was auch der Obermacht gewalt'gen Schluss
Auf dich herab gerufen, leichte Schuld,
Ein Irrtum, den der Zufall schädlich leitet;
Die Achtung bleibt, die Neigung spricht für dich.

Eugenie.
Des reinen Herzens traulich mir bewusst,
Sinn' ich der Wirkung kleiner Fehler nach.

Gerichtsrat.
Auf ebnem Boden straucheln ist ein Scherz,
Ein Fehltritt stürzt vom Gipfel dich herab.