Eugenie.
Du! Welch ein Leichtsinn überraschte dich?
Gerichtsrat.
Entschiedne bleibt auf ewig mein Gefühl.
Eugenie.
Der Augenblick, vermag er solche Wunder?
Gerichtsrat.
Das Wunder ist des Augenblicks Geschöpf.
Eugenie.
Und Irrtum auch der Übereilung Sohn.
Gerichtsrat.
Ein Mann, der dich gesehen, irrt nicht mehr.
Eugenie.
Erfahrung bleibt des Lebens Meisterin.
Gerichtsrat.
Verwirren kann sie, doch das Herz entscheidet.
O lass dir sagen: Wie vor wenig Stunden,
Ich mit mir selbst zu Rate ging und mich
So einsam fühlte, meine ganze Lage,
Vermögen, Stand, Geschäft ins Auge fasste
Und um mich her nach einer Gattin sann,
Da regte Phantasie mir manches Bild,
Die Schätze der Erinnrung sichtend, auf,
Und wohlgefällig schwebten sie vorüber.
Zu keiner Wahl bewegte sich mein Herz.
Doch du erscheinest, ich empfinde nun,
Was ich bedurfte. Dies ist mein Geschick.
Eugenie.
Die Fremde, Schlechtumgebne, Missempfohlne,
Sie könnte frohen, stolzen Trost empfinden,
Sich so geschätzt, sich so geliebt zu sehn;
Bedächte sie nicht auch des Freundes Glück,
Des edlen Manns, der unter allen Menschen
Vielleicht zuletzt ihr Hilfe bieten mag.
Betrügst du dich nicht selbst? Und wagst du, dich
Mit jener Macht, die mich bedroht, zu messen?
Gerichtsrat.
Mit jener nicht allein!—Dem Ungestüm
Des rohen Drangs der Menge zu entgehn,
Hat uns ein Gott den schönsten Port bezeichnet.
Im Hause, wo der Gatte sicher waltet,
Da wohnt allein der Friede, den vergebens
Im Weiten du da draußen suchen magst.
Unruh'ge Missgunst, grimmige Verleumdung,
Verhallendes, parteiisches Bestreben,
Nicht wirken sie auf diesen heil'gen Kreis!
Vernunft und Liebe hegen jedes Glück,
Und jeden Unfall mildert ihre Hand.
Komm! Rette dich zu mir! Ich kenne mich!
Und weiß, was ich versprechen darf und kann.