Hofmeisterin.
Du lenkest nun, was uns begegnen soll,
Du hast zu wählen! Ich gehorche nur
Der starken Hand, sie stößt mich vor sich hin.

Eugenie.
Und nennst du Wahl, wenn Unvermeidliches
Unmöglichem sich gegenüberstellt?

Hofmeisterin.
Der Bund ist möglich, wie der Bann vermeidlich.

Eugenie.
Unmöglich ist, was Edle nicht vermögen.

Hofmeisterin.
Für diesen biedern Mann vermagst du viel.

Eugenie.
In bessre Lagen führe mich zurück;
Und sein Erbieten lohn' ich grenzenlos.

Hofmeisterin.
Ihm lohne gleich, was ihn allein belohnt:
Zu hohen Stufen heb' ihn deine Hand!
Wenn Tugend, wenn Verdienst den Tüchtigen
Nur langsam fördern, wenn er, still entsagend
Und kaum bemerkt sich andern widmend, strebt,
So führt ein edles Weib ihn leicht ans Ziel.
Hinunter soll kein Mann die Blicke wenden;
Hinauf zur höchsten Frauen kehr' er sich!
Gelingt es ihm, sie zu erwerben, schnell
Geebnet zeigt des Lebens Pfad sich ihm.

Eugenie.
Verwirrender, verfälschter Worte Sinn
Entwickl' ich wohl aus deinen falschen Reden,
Das Gegenteil erkenn' ich nur zu klar:
Der Gatte zieht sein Weib unwiderstehlich
In seines Kreises abgeschlossne Bahn.
Dorthin ist sie gebannt, sie kann sich nicht
Aus eigner Kraft besondre Wege wählen;
Aus niedrem Zustand führt er sie hervor,
Aus höhern Sphären lockt er sie hernieder.
Verschwundne ist die frühere Gestalt,
Verloschen jede Spur vergangner Tage.
Was sie gewann, wer will es ihr entreißen?
Was sie verlor, wer gibt es ihr zurück?

Hofmeisterin.
So bricht du grausam dir und mir den Stab.

Eugenie.
Noch forscht mein Blick nach Rettung hoffnungsvoll.