Klärchen (singt).
Freudvoll
Und leidvoll,
Gedankenvoll sein;
Langen
Und bangen
In schwebender Pein;
Himmelhoch jauchzend,
Zum Tode betrübt;
Glücklich allein
Ist die Seele, die liebt.
Mutter. Laß das Heiopopeio.
Klärchen. Scheltet mir's nicht; es ist ein kräftig Lied. Hab' ich doch schon manchmal ein großes Kind damit schlafen gewiegt.
Mutter. Du hast doch nichts im Kopfe als deine Liebe. Vergäßest du nur nicht alles über das eine. Den Brackenburg solltest du in Ehren halten, sag' ich dir. Er kann dich noch einmal glücklich machen.
Klärchen. Er?
Mutter. O ja! es kommt eine Zeit!—Ihr Kinder seht nichts voraus und überhorcht unsre Erfahrungen. Die Jugend und die schöne Liebe, alles hat sein Ende; und es kommt eine Zeit, wo man Gott dankt, wenn man irgendwo unterkriechen kann.
Klärchen (schaudert, schweigt und fährt auf). Mutter, laßt die Zeit kommen wie den Tod. Dran vorzudenken ist schreckhaft!—Und wenn er kommt! Wenn wir müssen—dann—wollen wir uns gebärden, wie wir können.—Egmont, ich dich entbehren!—(In Thänen.) Nein, es ist nicht möglich, nicht möglich.
(Egmont in einem Reitermantel, den Hut ins Gesicht gedrückt.)
Egmont. Klärchen!
Klärchen (thut einen Schrei, fährt zurück). Egmont! (Sie eilt auf ihn zu.) Egmont! (Sie umarmt ihn, und ruht an ihm.) O du Guter, Lieber, Süßer! Kommst du? bist du da?