Wohl hoff ich wiederzukommen, aber Gott weis wann. Lotte wie war mirs bey deinem reden ums Herz, da ich wusste es ist das letztemal dass ich Sie sehe. Nicht das letztemal, und doch geh ich morgen fort. Fort ist er. Welcher Geist brachte euch auf den Diskurs. Da ich alles sagen durfte was ich fühlte, ach mir wars um Hienieden zu thun, um ihre Hand die ich zum letztenmal küsste. Das Zimmer in das ich nicht wiederkehren werde, und der liebe Vater der mich zum letztenmal begleitete. Ich binn nun allein, und darf weinen, ich lasse euch glücklich, und gehe nicht aus euren Herzen. Und sehe euch wieder, aber nicht morgen ist nimmer. Sagen Sie meinen Buben er ist fort. Ich mag nicht weiter.
Von diesem Billet ist ein Fac simile beigefügt.
7.
Goethe an Lotte.
Zu dem Vorigen, Einschluß.
(v. 11. Sept. 1772.)
Gepackt ists Lotte, und der Tag bricht an, noch eine Viertelstunde so binn ich weg. Die Bilder die ich vergessen habe und die Sie den Kindern austeilen werden, mögen entschuldigung seyn, dass ich schreibe, Lotte da ich nichts zu schreiben habe. Denn sie wissen alles, wissen wie glücklich ich diese Tage war. und ich gehe, zu den liebsten besten Menschen, aber warum von Ihnen. Das ist nun so, und mein Schicksal, dass ich zu heute, morgen und übermorgen nicht hinzusetzen kann — Was ich wohl offt im Scherz dazusetzte. Immer fröliges Muths liebe Lotte, sie sind glücklicher als hundert, nur nicht gleichgültig, und ich liebe Lotte, binn glücklich dass ich in Ihren Augen lese, sie glauben ich werde mich nie verändern. Adieu tausendmal adieu!
Goethe.