Als letzthin das Gerücht vom Goué sich verbreitete, glaubte er diesen zwar nicht zum Selbstmorde fähig, stritt aber in Thesi eifrig für diesen, wie mir Kielmansegge, und viele, die um ihn gewesen, versichert haben. Ein paar Tage vor dem unglücklichen, da die Rede vom Selbstmorde war, sagte er zu Schleunitz, es müße aber doch eine dumme Sache seyn, wenn das Erschiessen mißriethe.
Auch einige Tage zuvor sprachen Brandten mit ihm von seinen weiten einsamen Spaziergängen, daß ihm da leicht einmal ein Unglück zustossen könnte, wie zum Ex. vor einiger Zeit, da einer beym entstandenen Gewitter sich unter ein Gemäuer retiriret, und dieses über ihm eingestürzt wäre. Er antwortete: das würde mir eben recht seyn. Dorthel verspricht ihm ein Kränzchen zu machen, wenn er hier stürbe. Er hat in Brandten Hause sehr über N... geklagt, daß dieser gar nicht schriebe, er schäme sich zu ihnen zu kommen, da er immer nichts von ihm sagen könne. Mit einiger Hitze zu Annchen: Ja, ich versichere Sie, die Sünden meiner Freunde schmerzen mich. (N... war Anbeter der Annchen.) Zu Kielmansegge hat er von N. gesagt, dieser hätte eine Dreckseele; was man noch in der Welt machen solle, wo man einen abwesenden Freund nicht einmal conserviren könne.
In diesen Tagen hat er mich, da er im Brandtischen Hause war, ins Buffische Haus gehen sehen (oder vielmehr es geglaubt, da es eigentlich ein anderer war,) und gesagt, mit einem besonderen Ton: wie glücklich ist Kestner! wie ruhig er dahin geht!
Vergangenen Dienstag kommt er zum kranken Kielmansegge, mit einem mißvergnügten Gesichte. Dieser frägt ihn, wie er sich befände? Er: Besser als mir lieb ist. Er hat auch den Tag viel von der Liebe gesprochen, welches er sonst nie gethan; und dann von der Franckfurter Zeitung, die ihm seit einiger Zeit mehr als sonst gefalle. Nachmittags (Dienstag) ist er bey Sekr. H... gewesen. Bis Abends 8 Uhr spielen sie Tarok zusammen. Annchen Brandt war auch da; Jerusalem begleitet diese nach Haus. Im Gehen schlägt Jerusalem oft unmuthsvoll vor die Stirn und sagt wiederholt: Wer doch erst todt, — wer doch erst im Himmel wäre! — Annchen spaßt darüber; er bedingt sich bey ihr im Himmel einen Platz, und beim Abschiednehmen sagt er: Nun es bleibt dabey, ich bekomme bey Ihnen im Himmel einen Platz.
Am Mittewochen, da im Kronprinz groß Fest war und jeder jemanden zu Gaste hatte, gieng er, ob er gleich sonst zu Haus aß, zu Tisch und brachte den Secr. H... mit sich. Er hat sich da nicht anders als sonst, vielmehr muntrer betragen. Nach dem Essen nimmt ihn Secret. H... mit nach Haus zu seiner Frau. Sie trinken Kaffee. Jerusalem sagt zu der H...: Liebe Frau Secretairin, dieß ist der letzte Kaffee, den ich mit Ihnen trinke. — Sie hält es für Spaß und antwortet in diesem Tone. Diesen Nachmittag (Mittwochs) ist Jerusalem allein bei H...s gewesen, was da vorgefallen, weiß man nicht; vielleicht liegt hierin der Grund zum folgenden. — Abends, als es eben dunkel geworden, kommt Jerusalem nach Garbenheim, ins gewöhnliche Gasthaus, frägt ob niemand oben im Zimmer wäre? Auf die Antwort: Nein, geht er hinauf, kommt bald wieder herunter, geht zum Hofe hinaus, zur linken Hand hin, kehrt nach einer Weile zurück, geht in den Garten; es wird ganz dunkel, er bleibt da lange, die Wirthin macht ihre Anmerkungen darüber, er kommt wieder heraus, geht bei ihr, alles ohne ein Wort zu sagen, und mit heftigen Schritten, vorbey, zum Hofe hinaus, rechts davon springend.
Inzwischen, oder noch später, ist unter H... und seiner Frau etwas vorgegangen, wovon H... einer Freundin vertrauet, daß sie sich über Jerusalem etwas entzweyet und die Frau endlich verlangt, daß er ihm das Haus verbieten solle, worauf er es auch folgenden Tags in einem Billet gethan.
Nachts vom Mittewoch auf den Donnerstag ist er um 2 Uhr aufgestanden, hat den Bedienten geweckt, gesagt, er könne nicht schlafen, es sey ihm nicht wohl, läßt einheitzen, Thee machen, ist aber doch nachher ganz wohl, dem Ansehen nach.