Dank euch lieber Kestner für eure Nachrichten und alles. Hier liegt ein Brief bey an Hansen der mir von acht zu acht Tagen schreiben soll wies euch im teutschen Haus geht, denn ihr seyd in einem Zustande in dem man keine Blumen pflückt, doch kann ich ihrer nicht entbehren, und muß auch eine Connexion anspinnen mit dem teutschen Haus wenn ihr werdet den Mittelstein geraubt haben aus dem Ringe. Denn um ihrentwillen werd ich sie alle lieben mein lebenlang. und ihre Gesichter werden mir alle seyn wie die Erscheinungen der Götter.
Adieu, wies mit euch ietzt kracht nach Weise des landenden Kahns so stürmts und krachts in der Flotte in der ich diene. Mein eigen Schiff kümmert mich am wenigsten. Gegen das Frühjahr und Sommer hangen mancherley Schicksale über meine liebsten. Und ich verderbe die Zeit, welches denn auch eine Kunst ist. Adieu.
57.
Goethe an Hans. (Lottens Bruder.)
Vielgeliebter Herr Hans.
Ihr Brief an die liebe Schwester hat mich so ergötzt, dass ich nicht länger mich halten kann an Sie zu schreiben, und Sie zu bitten mir wenigstens wöchentlich einmal Nachrichten von Ihrem Haus und Hof und was drinnen vorgeht zu geben.
Ich bitte Sie darum bey unsrer alten Freundschaft die auch vor die Zukunft dauerhaft bleiben wird. Sie wissen wie lieb und herzlich mir alles ist was aus dem teutschen Haus kommt, Sie haben mich eine gute Zeit so nahe gehabt als einen Vetter und näher vielleicht. Drum, wie ich sage, lieber Hans schreiben Sie mir die Woche gewiß einmal was passirt, damit ich auch wisse wie meine Kleinen sich aufführen. Die Sie alle recht herzlich grüßen werden. Und empfehlen Sie mich Carlingen und Lengen und Lotten wenn sie wieder kommt viel hundert mal.
Der Ihrige
Goethe.