Ich kann euch die Freude nicht beschreiben die ich hatte Merken wieder zu sehn, er kam acht Tage eh ich’s vermuthete, und sas bey meinem Vater in der Stube, ich kam nach Hause, ohne was zu wissen, tret ich hinein und höre seine Stimme eher als ich ihn sehe. Du kennst mich Lotte.

Die Stelle in deinem Brief die einen Wink enthält von möglicher Näherung zu euch, ist mir durch die Seele gangen. Ach es ist das schon so lange mein Traum als ihr weg seyd. Aber es wird wohl auch Traum bleiben. Mein Vater hätte zwar nichts dagegen wenn ich in fremde Dienste gienge, auch hält mich hier weder Liebe noch Hoffnung eines Amts — und so scheint es könnt ich wohl einen Versuch wagen, wieder einmal wie’s draussen aussieht.

Aber Kestner, die Talente und Kräffte die ich habe, brauch ich für mich selbst gar zu sehr, ich binn von ieher gewohnt nur nach meinem Instinkt zu handeln, und damit könnte keinem Fürsten gedient seyn. Und dann biss ich politische Subordination lernte — Es ist ein verfluchtes Volk, die Franckfurter, pflegt der Präs. v. Moser zu sagen, man kann ihre eigensinnigen Köpfe nirgends hin brauchen. Und wenn auch das nicht wäre, unter all meinen Talenten ist meine Jurisprudenz der geringsten eins. Das bissgen Theorie und Menschenverstand richtens nicht aus — Hier geht meine Praxis mit meinen Kenntnissen Hand in Hand, ich lerne ieden Tag und haudere mich weiter. — Aber in einem Justiz-Collegio — Ich habe mich von ieher gehütet ein Spiel zu spielen da ich der unerfahrenste am Tisch war — Also — doch möcht ich wissen ob deine Worte etwas mehr als Wunsch und Einfall waren.

Meine Schwester ist brav. Sie lernt leben! und nur bey verwickelten misslichen Fällen erkennt der Mensch was in ihm stickt. Es geht ihr wohl und Schl. ist der beste Ehemann wie er der zärtlichste und unverrückteste Liebhaber war.

89.
Goethe an Hans.

Hier ist ein guter Freund von mir, ich wäre gern mitgekommen lieber Hans, aber das will nicht gehn. Wenn ihr mich lieb behaltet, so hoff ich doch einmal zu erleben, dass ich euch wieder sehe. Was er an Hr. Plitt thut will ich für mich annehmen. Bring er ihn zu Brandts, und grüs er die Schwestern denen der junge Mann auch ohne mein Empfel wohlgefallen wird. Meine Buben sollen mich lieb behalten. Ich schick ihnen was aus der Mess. Sophie und Annel haben mich hoff ich nicht vergessen. Sey er immer brav. Die Franckf. Zeitungen kauff er sich nicht, er kann sie zu nichts brauchen. Wenn ich ein gut Buch für ihn finde schicke ichs ihm. Adieu und vergiss er nicht zu schreiben.

Goethe.