Habt ihr das Buch schon; so versteht ihr beygehendes Zettelgen, ich vergas es hinein zu legen im Hurrli in dem ich ietzt lebe. Die Messe tobt und kreischt, meine Freunde sind hier, und Vergangenheit und Zukunft schweben wunderbar in einander.

Was wird aus mir werden. O ihr gemachten Leute, wieviel besser seyd ihr dran.

Ist Meyern wieder da. Ich bitt euch gebt das Buch noch nicht weiter, und behaltet den lebendigen lieb, und ehret den Todten.

Nun werdet ihr die dunkeln Stellen voriger Briefe verstehen.

am 23. Sept. 1774.

105.
Goethe an Lotte.

Einschluß des Vorigen.

Lotte wie lieb mir das Büchelgen ist magst du im Lesen fühlen, und auch dieses Exemplar ist mir so werth als wär’s das einzige in der Welt. Du sollsts haben Lotte, ich hab es hundertmal geküsst, habs weggeschlossen, dass es niemand berühre. O Lotte! — Und ich bitte dich lass es außer Meyers niemand iezzo sehn, es kommt erst die Leipziger Messe in’s Publikum. Ich wünschte iedes läs’ es allein vor sich, du allein, Kestner allein, und jedes schriebe mir ein Wörtgen.

Lotte Adieu Lotte.