Für Henningsens Deducktion dank ich. Das Gedicht kenn ich nicht und die ganze Sache zeugt von nicht sehr klaren Begriffen. Adieu Grüsse Frau und Kinder und behaltet mich lieb. Pfingstsonntag 1780.
Goethe.
Dass dir Oberon so wohl gefällt konnt ich denken, es ist ein ganz trefflich Gedicht. Wenn ein Deutscher Dichter ist so ist ers. Meine Schriftstellerey subordinirt sich dem Leben, doch erlaub ich mir, nach dem Beyspiel des grosen Königs der täglich einige Stunden auf die Flöte wandte, auch manchmal eine Uebung in dem Talente das mir eigen ist. Geschrieben liegt noch viel, fast noch einmal so viel als gedruckt, Plane hab ich auch genug, zur Ausführung aber fehlt mir Sammlung und lange Weile. Verschiedenes hab ich für’s hiesige Liebhaber Theater, freylich meist Conventionsmäsig ausgemünzt. Adieu.
119.
Goethe an Kestner.
v. 30. May 1781. acc. 22. Jun. 81.
Wieder ein gutes Wort von Euch zu hören mein lieber Kestner war mir ein angenehm Begegnen unter den schönen Schatten meiner Bäume, unter denen ich Freud und Leid still zu tragen gewohnt bin.
Grüst mir Lotten mit ihren vielen Buben, es mögte wohl hübsch seyn wenn ich euch besuchen könnte.
Jetzt werd ich täglich mehr leibeigen, und gehöre mehr der Erde zu der wir wiederzukehren bestimmt sind. Die Aufzählung eurer Thaten, in euren kleinen Selbstgens, hat mir recht wohl gethan, ich hab euch dagegen nichts zu geben, denn ich bin ein einsamer Mensch. Brandes[29] war nur wenige Zeit bey mir.
Hierbey schick ich Lotten ein klein Nachspiel; sie solls nur nicht aus Händen geben dass es nicht gedruckt wird. Adieu, wie vor Alters. W. d. 30 May 81.