Ade! Ade! Beste.

Wie erwart ich unsre Brüder! Welch ein lieber Brief von Euch dreyen! Hier die Schattenrisse. Sie sind nicht alle gleichgut, doch alle mit fühlender Hand geschnitten. Diesmal kein Wort weiter. Behalten Sie mich am Herzen! d. 26. Apr. 1775.

G.

Der sechste Brief

Den 25. Jul. 75.

Ich will Ihnen schreiben Gustgen liebe Schwester, ob ich gleich, wäre ich iezt bey Ihnen schwerlich reden würde. Ich muss anfangen!Wie weit ists nun von mir zu Ihnen. Gut denn, wir werden uns doch sehn.

Binwieder in Franckfurt, habe mich von unsern Brüdernin Zürch getrennt, schweer ward's uns doch. — Das denck ich, wird Gustgen sagen. — Friz, meine Liebe, ist nunim Wolckenbade und der gute Geist der um uns alle schwebt, wird ihm gelinden Balsam in die Seele giessen.Ich litt mit ihm und durft nicht dergleichen thun. Ich bitte Sie — wenigstens lassen Sie mich iezt nichts davon sagen — und wer kann davon sagen — Ich war dabey wie die lezte Nachricht kam. Es war in Strasburg. Gute Nacht Schwester Engel. Einen herzlichen Grus derGräfin Bernsdorf.

Den 31. Jul. Wenn mirs so recht weh ist, kehr ich mich nach Norden, wo sie dahinten ist zweyhundert Meil[en] von mir meine geliebte Schwester. Gestern Abend Engel hatt' ich viel Sehnen zu ihren Füssen zu liegen, ihre Hände zu halten, und schlief drüber ein, und heute früh ist[s] wieder frisch mit dem Morgen. Beste theilnehmende Seele, immer den Himmel im Herzen und nur unglücklich durch die Deinigen! — Aber wie du auch geliebt wirst!

Ich muss noch viel herumgetrieben werden, und dann einen Augenblick an Ihrem Herzen! — Das ist immer so mein Traum, meine Aussicht durch viel Leiden. — Ich habe mich so offt am Weiblichen Geschlecht betrogen — O Gustgen wenn ich nur einen Blick in Ihr Aug thun könnte! — Ich will schweigen — Hören Sie nicht auf, auch für mich zu seyn. Ade.

Hier Gustgen ein altes verlohrnesZettelgen das ich wiederfinde.