Die Fragen wegen Wilhelm Meisters möchte ich am liebsten einmal mündlich beantworten. Bey solchen Werken mag der Künstler sich vornehmen was er will, so giebt es immer eine Art von Confession und zwar auf eine Weise von der er sich kaum selbst Rechenschafft zu geben versteht. Die Form behält immer etwas unreines und man kann Gott danken, wenn man im Stand war so viel Gehalt hinein zu legen, daß fühlende und denkende Menschen sich beschäfftigen mögen, ihn wieder daraus zu entwickeln. Die Recension in der allgemeinen Litteraturzeitung[223] ist freylich sehr unzulänglich, für jeden, der selbst über das Werk gedacht hat; doch ist sie nicht ohne Verdienst, wenn man sie als die Meinung eines einzelnen ansieht, der seine Gedanken darüber äußert. Freylich hat man Ursache von einer Recension mehr zu verlangen, besonders von einer so späten.

Ich wünsche, daß Ihre Gesundheit wieder hergestellt seyn möge, so wie ich mich auch von den Übeln, die mich betroffen haben, nach und nach wieder erhole.[224]

Darf ich bitten mich unserm verehrten Weise bestens zu empfehlen.

Weimar d. 29 März 1801

Goethe

[221] Vgl. Werke XXVII. S. 124.

[222] Vgl. XVIII. Werke XXXIX. S. 417 ff.

[223] Jen. Allg. Litt.-Ztg. 1801, I. N 1. f.

[224] Werke XXVII. S. 75 ff. Schiller Br. an Körner IV. S. 205. Goethe Br. an Friedr. v. Stein. S. 165 f.

III.