Den Abdruck eines Titelblatts sende hiebey, vielleicht bald nach Johanni das Heft selbst.[263] Meinen längern Aufenthalt in Jena, benutze, da ich gerade nicht Lust zu frischem Thun empfinde, zum Wiederabdruck älterer, auf Natur sich beziehende Schriften. Zu Sichtung und Redaction aufgehäufter Manuscripte. Bey dieser Gelegenheit erscheint, beinahe zum Entsetzen, wie wir von den disparatesten Gegenständen afficirt, aufgeregt, hingerissen werden können. Hiedurch nun, werde ich genöthigt mancherley Stückwercke mit Lebensereignißen in Verbindung zu bringen, damit das Ganze nicht allzu verworren und seltsam aussehe. Und gerade diese Mittelglieder sind es die ich Ihrem Antheil empfehlen möchte. Lassen Sie zunächst unsere wechselseitige Unterhaltung auf das lebhafteste würken, es giebt Epochen, wo es räthlich ja unvermeidlich ist das Eisen gemeinschaftlich zu schmieden.
Mit vielem Antheil und Vergnügen höre ich, daß Sie Konnewitz[264] wieder hergestellt, und sich und den Ihrigen einen angenehmen Aufenthalt bereitet haben. Ich mußte mehrmals meine Existenz aus ethischem Schutt und Trümmern wieder herstellen, ja Tag täglich begegnen uns Umstände, wo die Bildungskraft unserer Natur, zu neuen Restaurations-Reproductions-Geschäften aufgefordert wird, helfe der Geist nach, so lange es gehen will.
Hier also ein Abschluß weil doch einmal zu schließen ist. Baldige Erwiederung hoffend
Jena
den 1. Juny
1817.
ergebenst
Goethe
[258] Goethe theilte Rochlitz's Brief sogleich H. Meyer mit. Riemer Briefe von und an Goethe. S. 108 ff.
[259] Kunst und Alterthum I. 2. S. 7 ff.: „Neudeutsche, religiös-patriotische Kunst.“
[260] Kein Druckfehler, aber gewiß ein Schreibfehler.
[261] Vgl. Werke XXVII. S. 332.