Eine Gesellschaft von Musikfreunden, nachdem sie sich einen Abend mannigfaltig ergötzt hatte, gedachte, beym frohen Mahl, daß man Ihnen den größten Theil dieses Vergnügens schuldig sey, indem Sie uns mit einem so trefflichen, sich immer wohlhaltenden Instrumente versehen;[289] man trank Ihre Gesundheit und wünschte daß Sie von den guten Jagdbissen mitgenießen möchten. Hiernach ward nun der gute Gedanke laut, daß die Vögel sich gar wohl zu Ihnen bewegen könnten. Ein Jagdfreund übernahm die Besorgung und nun kommen sie, begleitet von den besten Wünschen zum neuen Jahr und in Hoffnung, daß Sie solche gleichfalls mit Freunden theilnehmend, und unsrer eingedenk genießen werden.

Weimar d. 18. Januar
1826.

treulichst
J W Goethe

[289] Vgl. [S. 352.]

LII.

Ja wohl, mein Theuerster, war der freundliche Besuch den Sie uns gönnten ein schöner Beweis daß wir uns im Lebensgange an einander nicht geirrt haben; es zeigte sich daß wir, wenn gleich in einiger Entfernung, parallel nebeneinander fortgingen und, beym Wiederzusammentreffen, keiner am andern etwas Fremdes empfand; es war Ihnen bey mir behaglich, eben so mußt es wechselseitig seyn. Sie konnten der Freund meiner Freunde werden, es ergab sich alles ganz natürlich, ohne daß irgend etwas wäre auszugleichen gewesen, und so mußten wir wünschen Sie hätten noch einige Tage verweilt. Schwiegertochter und Kinder waren wiedergekommen; Herr Rauch traf ein[290] und wir hätten Sie herzlich gern an den guten Stunden des Wiedersehens und heitern Empfangs auch Ihren genugsamen Theil nehmen lassen. Auch hätte ich der guten Ottilie so gern einen Musickliebenden Gast entgegengeführt.

Hier nun will ich schließen, mit dem treusten Dank für Ihr werthes baldiges Schreiben, mit reinen Wünschen und Grüßen an die theure Ihrige und mit Ankündigung einer Rolle, deren Inhalt wir einen geneigten Empfang erbitten.

Weimar
den 3. Juli
1829.

und so fortan!
J W Goethe

[290] Briefw. m. Zelter V. S. 254. 261.