Mit den treusten Wünschen mich geneigtem Andenken und fortgesetzten Mittheilungen angelegentlichst empfehlend.

Weimar
den 29 Septbr.
1829.

Und so fortan!
J W Goethe

[291] Bei der Aufführung des Faust in Leipzig hatte die akademische Jugend bei einigen Stellen einen so ausgelassenen Beifall kund gegeben, daß man in Dresden für nöthig fand die Wiederholung auf einige Zeit zu untersagen.

[292] Rochlitz hatte Goethe den Wunsch des kaiserl. Russ. Geh. Raths Grafen Manteuffel ausgesprochen, ihn in Weimar zu besuchen, und ihn gebeten eine Zeit dafür zu bestimmen.

LVII.

Ja, und so wäre es ganz recht, und vertraulichem Verhältnisse wohl angemessen, daß man sich zur Unterhaltung ohne eigentlichen entschiedenen Zweck niedersetze und das Schreiben beginne. Veranlaßt durch Ihren lieben Brief fühle ich mich geneigt, nicht gerade in Beantwortung, vielmehr in Erwiederung Einiges ergehen zu lassen.

Über das Allgemeine was in den Wanderjahren etwa beabsichtigt, in welchem Sinne sie geschrieben, haben Sie, mein Theuerster, gar manches Gute und Ausreichende gesagt. Mit solchem Büchlein aber ist es wie mit dem Leben selbst: es findet sich in dem Complex des Ganzen Nothwendiges und Zufälliges, Vorgesetztes und Ungeschlossenes, bald gelungen, bald vereitelt, wodurch es eine Art von Unendlichkeit erhält, die sich in verständige und vernünftige Worte nicht durchaus faßen noch einschließen läßt. Wohin ich aber die Aufmerksamkeit meiner Freunde gerne lenke, und auch die Ihrige gern gerichtet sähe, sind die verschiedenen, sich von einander absondernden Einzelnheiten, die doch, besonders im gegenwärtigen Falle, den Werth des Buches entscheiden. Da würden Sie mir denn eine besondere Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie bemerken wollten, was sie vorzüglich, (wie man zu sagen pflegt) angesprochen, was Ihnen als neu oder erneut gegolten, was mit Ihrer Denk- und Empfindungsweise zusammen getroffen, was derselben widersprochen, was Sie, in Gefolg dessen, einstimmig oder im Gegensatz, weiter bey sich auszuführen geneigt gewesen. Das Büchlein verläugnet seinen collectiven Ursprung nicht, erlaubt und fordert mehr als jedes andere die Theilnahme an hervortretenden Einzelnheiten. Dadurch kommt der Autor erst zur Gewißheit, daß es ihm gelungen sey, Gefühl und Nachdenken in den verschiedensten Geistern aufzuregen. Hierüber habe ich in Briefen die anmuthigsten Äußerungen, und wie selbst junge und weibliche Seelen von ganz gelinden aber gründlichen Zügen ergriffen werden. Wollen auch Sie auf diese Weise mir wohlthätig seyn, so erkenne es mit verbindlichstem Dank. Nicht leicht unterhält man sich über dergleichen mündlich; eine gewisse Scheu hält uns ab; dagegen ist man im Schreiben freyer, und man vertraut wohl sein Innerstes gern in die Ferne.

Gar manches Wechselseitige, Wirksamkeit zu erregen entschieden geeignet, verspare für nächste Mittheilungen. Herr Canzler ist so eben aus Italien zurück und hat wohlgethan dem Zug nach Rom nicht zu widerstehen; er wird sich selbst anmelden und des freundlichen Empfangs auch von Ihnen gewiß seyn.

Da noch Raum übrig ist füge Einiges hinzu: