Weislingen. Wer lehrte Euch das?
Maria. Die äbtissin meines Klosters. Bis in mein sechzehntes Jahr war ich bei ihr, und nur mit Euch empfind ich das Glück, das ich in ihrem Umgang genoß. Sie hatte geliebt und durfte reden. Sie hatte ein Herz voll Empfindung! Sie war eine vortreffliche Frau.
Weislingen. Da glich sie dir! (Er nimmt ihre Hand.) Wie wird mir's werden, wenn ich Euch verlassen soll!
Maria (zieht ihre Hand zurück). Ein bißchen eng, hoff ich, denn ich weiß, wie's mir sein wird. Aber Ihr sollt fort.
Weislingen. Ja, meine Teuerste, und ich will. Denn ich fühle, welche
Seligkeiten ich mir durch dies Opfer erwerbe. Gesegnet sei dein
Bruder, und der Tag, an dem er auszog, mich zu fangen!
Maria. Sein Herz war voll Hoffnung für ihn und dich. "Lebt wohl!" sagt' er beim Abschied, "ich will sehen, daß ich ihn wiederfinde."
Weislingen. Er hat's. Wie wünscht ich, die Verwaltung meiner Güter und ihre Sicherheit nicht durch das leidige Hofleben so versäumt zu haben! Du könntest gleich die Meinige sein.
Maria. Auch der Aufschub hat seine Freuden.
Weislingen. Sage das nicht, Maria, ich muß sonst fürchten, du empfindest weniger stark als ich. Doch ich büße verdient; und welche Hoffnungen werden mich auf jedem Schritt begleiten! Ganz der Deine zu sein, nur in dir und dem Kreise von Guten zu leben, von der Welt entfernt, getrennt, alle Wonne zu genießen, die so zwei Herzen, einander gewähren! Was ist die Gnade des Fürsten, was der Beifall der Welt gegen diese einfache Glückseligkeit? Ich habe viel gehofft und gewünscht, das widerfährt mir über alles Hoffen und Wünschen.
(Götz kommt.)