Franz. Ich will ein Pfaff werden, wenn Ihr sie sehet und nicht außer
Euch kommt.
Weislingen. Wer ist's denn?
Franz. Adelheid von Walldorf.
Weislingen. Die! Ich habe viel von ihrer Schönheit gehört.
Franz. Gehört? Das ist eben, als wenn Ihr sagtet: "Ich hab die Musik gesehen." Es ist der Zunge so wenig möglich, eine Linie ihrer Vollkommenheiten auszudrücken, da das Aug sogar in ihrer Gegenwart sich nicht selbst genug ist.
Weislingen. Du bist nicht gescheit.
Franz. Das kann wohl sein. Das letztemal, da ich sie sahe, hatte ich nicht mehr Sinne als ein Trunkener. Oder vielmehr, kann ich sagen, ich fühlte in dem Augenblick, wie's den Heiligen bei himmlischen Erscheinungen sein mag. Alle Sinne stärker, höher, vollkommener, und doch den Gebrauch von keinem.
Weislingen. Das ist seltsam.
Franz. Wie ich von dem Bischof Abschied nahm, saß sie bei ihm. Sie spielten Schach. Er war sehr gnädig, reichte mir seine Hand zu küssen, und sagte mir vieles, davon ich nichts vernahm. Denn ich sah seine Nachbarin, sie hatte ihr Auge aufs Brett geheftet, als wenn sie einem großen Streich nachsänne. Ein feiner lauernder Zug um Mund und Wange! Ich hätt' der elfenbeinerne König sein mögen. Adel und Freundlichkeit herrschten auf ihrer Stirn. Und das blendende Licht des Angesichts und des Busens, wie es von den finstern Haaren erhoben ward!
Weislingen. Du bist drüber gar zum Dichter geworden.