Thoas.
Auf's Ungehoffte war ich nicht bereitet;
Doch sollt' ich's auch erwarten: wußt' ich nicht,
Daß ich mit einem Weibe handeln ging?
Iphigenie.
Schilt nicht, o König, unser arm Geschlecht.
Nicht herrlich wie die euern, aber nicht
Unedel sind die Waffen eines Weibes.
Glaub' es, darin bin ich dir vorzuziehn,
Daß ich dein Glück mehr als du selber kenne.
Du wähnest, unbekannt mit dir und mir,
Ein näher Band werd' uns zum Glück vereinen.
Voll guten Muthes wie voll guten Willens
Dringst du in mich, daß ich mich fügen soll;
Und hier dank' ich den Göttern, daß sie mir
Die Festigkeit gegeben, dieses Bündniß
Nicht einzugehen, das sie nicht gebilligt.
Thoas.
Es spricht kein Gott; es spricht dein eignes Herz.
Iphigenie.
Sie reden nur durch unser Herz zu uns.
Thoas.
Und hab' Ich, sie zu hören, nicht das Recht?
Iphigenie.
Es überbraust der Sturm die zarte Stimme.
Thoas.
Die Priesterin vernimmt sie wohl allein?
Iphigenie.
Vor allen andern merke sie der Fürst.
Thoas.
Dein heilig Amt und dein geerbtes Recht
An Jovis Tisch bringt dich den Göttern näher,
Als einen erdgebornen Wilden.
Iphigenie.
So
Büß' ich nun das Vertraun, das du erzwangst.