Eines Menschen Leben, was ist's? Doch Tausende können
Reden über den Mann, was er und wie er's gethan.
Weniger ist ein Gedicht; doch können es Tausend genießen,
Tausende tadeln. Mein Freund, lebe nur, dichte nur fort!

XXXVI.

Müde war ich geworden, nur immer Gemählde zu sehen,
Herrliche Schätze der Kunst, wie sie Venedig bewahrt.
Denn auch dieser Genuß verlangt Erholung und Muße;
Nach lebendigem Reiz suchte mein schmachtender Blick.
Gauklerinn! da ersah ich in dir zu den Bübchen das Urbild.
Wie sie Johannes Bellin reizend mit Flügeln gemahlt,
Wie sie Paul Veronese mit Bechern dem Bräutigam sendet,
Dessen Gäste, getäuscht, Wasser genießen für Wein.

XXXVII.

Wie, von der künstlichsten Hand geschnitzt, das liebe Figürchen,
Weich und ohne Gebein, wie die Moluska nur schwimmt!
Alles ist Glied, und Alles Gelenk, und Alles gefällig,
Alles nach Maßen gebaut, Alles nach Willkür bewegt.
Menschen hab' ich gekannt, und Thiere, so Vögel als Fische,
Manches besondre Gewürm, Wunder der großen Natur;
Und doch staun' ich dich an, Bettine, liebliches Wunder,
Die du Alles zugleich bist, und ein Engel dazu.

XXXVIII.

Kehre nicht, liebliches Kind, die Beinchen hinauf zu dem Himmel;
Jupiter sieht dich, der Schalk, und Ganymed ist besorgt.

XXXIX.

Wende die Füßchen zum Himmel nur ohne Sorge! Wir strecken
Arme betend empor; aber nicht schuldlos, wie du.

XL.