Du weißt, daß der Leib ein Kerker ist:
Die Seele hat man hinein betrogen;
Da hat sie nicht freie Ellenbogen.
Will sie sich da- und dorthin retten,
Schnürt man den Kerker selbst in Ketten;
Da ist das Liebchen doppelt gefährdet;
Deshalb sie sich oft so seltsam gebärdet.
Wenn der Körper ein Kerker ist
Wenn der Körper ein Kerker ist,
Warum nur der Kerker so durstig ist?
Seele befindet sich wohl darinnen
Und bliebe gern vergnügt bei Sinnen,
Nun aber soll eine Flasche Wein,
Frisch eine nach der andern herein.
Seele will's nicht länger ertragen,
Sie an der Türe in Stücke schlagen.
Dem Kellner
Setze mir nicht, du Grobian,
Mir den Krug so derb vor die Nase!
Wer mir Wein bringt, sehe mich freundlich an,
Sonst trübt sich der Eilfer im Glase.
Dem Schenken
Du zierlicher Knabe, du komm herein!
Was stehst du denn da auf der Schwelle?
Du sollst mir künftig der Schenke sein;
Jeder Wein ist schmackhaft und helle.
Schenke spricht
Du mit deinen braunen Locken,
Geh mir weg, verschmitzte Dirne!
Schenk ich meinem Herrn zu Danke,
Nun, so küßt er mir die Stirne.
Aber du, ich wollte wetten,
Bist mir nicht damit zufrieden,
Deine Wangen, deine Brüste
Werden meinen Freund ermüden.