Buch der Parabeln

Mathal Nameh: Buch der Parabeln
Vom Himmel sank

Vom Himmel sank in wilder Meere Schauer
Ein Tropfe bangend, gräßlich schlug die Flut;
Doch lohnte Gott bescheidnen Glaubensmut
Und gab dem Tropfen Kraft und Dauer.
Ihn schloß die stille Muschel ein.
Und nun, zu ewgem Ruhm und Lohne,
Die Perle glänzt an unsers Kaisers Krone
Mit holdem Blick und mildem Schein.

Bulbuls Nachtlied

Bulbuls Nachtlied durch die Schauer
Drang zu Allahs lichtem Throne,
Und dem Wohlgesang zu Lohne
Sperrt er sie in goldnen Bauer.
Dieser sind des Menschen Glieder.
Zwar sie fühlet sich beschränket,
Doch wenn sie es recht bedenket,
Singt das Seelchen immer wieder.

Wunderglaube

Zerbrach einmal eine schöne Schal
Und wollte schier verzweifeln;
Unart und übereil zumal
Wünscht ich zu allen Teufeln.

Erst rast ich aus, dann weint ich weich
Beim traurigen Scherbelesen.
Das jammerte Gott, er schuf es gleich
So ganz, als wie es gewesen.

Die Perle, die der Muschel entrann

Die Perle, die der Muschel entrann,
Die schönste, hochgeboren,
Zum Juwelier, dem guten Mann,
Sprach sie: "Ich bin verloren!
Durchbohrst du mich, mein schönes All,
Es ist sogleich zerrüttet;
Mit Schwestern muß ich, Fall für Fall,
Zu schlechten sein geküttet."