"Stellt denn das den Herrn Grafen vor?" sagte Philine, indem sie auf ein reiches Medaillon deutete, das die Gräfin an kostbaren Ketten an der linken Seite trug.

"Er ist als Bräutigam gemalt", versetzte die Gräfin.

"War er denn damals so jung?" fragte Philine, "Sie sind ja nur erst, wie ich weiß, wenige Jahre verheiratet."

"Diese Jugend kommt auf die Rechnung des Malers", versetzte die Gräfin.

"Es ist ein schöner Mann", sagte Philine. "Doch sollte wohl niemals", fuhr sie fort, indem sie die Hand auf das Herz der Gräfin legte, "in diese verborgene Kapsel sich ein ander Bild eingeschlichen haben?"

"Du bist sehr verwegen, Philine!" rief sie aus, "ich habe dich verzogen. Laß mich so etwas nicht zum zweitenmal hören."

"Wenn Sie zürnen, bin ich unglücklich", rief Philine, sprang auf und eilte zur Türe hinaus.

Wilhelm hielt die schönste Hand noch in seinen Händen. Er sah unverwandt auf das Armschloß, das zu seiner größten Verwunderung die Anfangsbuchstaben seiner Namen in brillantenen Zügen sehen ließ.

"Besitz ich", fragte er bescheiden, "in dem kostbaren Ringe denn wirklich Ihre Haare?"

"Ja", versetzte sie mit halber Stimme; dann nahm sie sich zusammen und sagte, indem sie ihm die Hand drückte: "Stehen Sie auf, und leben Sie wohl!"