Da Friedrich außer einigen Späßen, die ihm Jarno erwiderte, keinen Anklang für seine Possen in der Gesellschaft fand, sagte er: "Es bleibt mir nichts übrig, als mit der ernsthaften Familie auch ernsthaft zu werden, und weil mir unter solchen bedenklichen Umständen sogleich meine sämtliche Sündenlast schwer auf die Seele fällt, so will ich mich kurz und gut zu einer Generalbeichte entschließen, wovon ihr aber, meine werten Herrn und Damen, nichts vernehmen sollt. Dieser edle Freund hier, dem schon einiges von meinem Leben und Tun bekannt ist, soll es allein erfahren, um so mehr, als er allein darnach zu fragen einige Ursache hat. Wäret Ihr nicht neugierig zu wissen", fuhr er gegen Wilhelmen fort, "wie und wo? wer? wann und warum? wie sieht's mit der Konjugation des griechischen Verbi Phileo, Philoh und mit den Derivativis dieses allerliebsten Zeitwortes aus?"

Somit nahm er Wilhelmen beim Arme, führte ihn fort, indem er ihn auf alle Weise drückte und küßte.

Kaum war Friedrich auf Wilhelms Zimmer gekommen, als er im Fenster ein Pudermesser liegen fand mit der Inschrift: "Gedenke mein". "Ihr hebt Eure werten Sachen gut auf!" sagte er, "wahrlich, das ist Philinens Pudermesser, das sie Euch jenen Tag schenkte, als ich Euch so gerauft hatte. Ich hoffe, Ihr habt des schönen Mädchens fleißig dabei gedacht, und versichere Euch, sie hat Euch auch nicht vergessen, und wenn ich nicht jede Spur von Eifersucht schon lange aus meinem Herzen verbannt hätte, so würde ich Euch nicht ohne Neid ansehen."

"Reden Sie nichts mehr von diesem Geschöpfe", versetzte Wilhelm. "Ich leugne nicht, daß ich den Eindruck ihrer angenehmen Gegenwart lange nicht loswerden konnte, aber das war auch alles."

"Pfui! schämt Euch", rief Friedrich, "wer wird eine Geliebte verleugnen? Und Ihr habt sie so komplett geliebt, als man es nur wünschen konnte. Es verging kein Tag, daß Ihr dem Mädchen nicht etwas schenktet, und wenn der Deutsche schenkt, liebt er gewiß. Es blieb mir nichts übrig, als sie Euch zuletzt wegzuputzen, und dem roten Offizierchen ist es denn auch endlich geglückt."

"Wie? Sie waren der Offizier, den wir bei Philinen antrafen und mit dem sie wegreiste?"

"Ja", versetzte Friedrich, "den Sie für Marianen hielten. Wir haben genug über den Irrtum gelacht."

"Welche Grausamkeit!" rief Wilhelm, "mich in einer solchen Ungewißheit zu lassen."

"Und noch dazu den Kurier, den Sie uns nachschickten, gleich in Dienste zu nehmen!" versetzte Friedrich. "Es ist ein tüchtiger Kerl und ist diese Zeit nicht von unserer Seite gekommen. Und das Mädchen lieb ich noch immer so rasend wie jemals. Mir hat sie's ganz eigens angetan, daß ich mich ganz nahezu in einem mythologischen Falle befinde und alle Tage befürchte, verwandelt zu werden."

"Sagen Sie mir nur", fragte Wilhelm, "wo haben Sie Ihre ausgebreitete
Gelehrsamkeit her? Ich höre mit Verwunderung der seltsamen Manier zu,
die Sie angenommen haben, immer mit Beziehung auf alte Geschichten und
Fabeln zu sprechen."