Das Theater wird stark besucht und das Publikum darin ist laut, ungestüm und souverän herrschend wie in London; das Haus ist nicht groß, aber sehr hübsch dekoriert, gut erleuchtet und zweckmäßig eingerichtet. Nur die Schauspieler zeichnen sich auf keine Weise aus; keiner unter ihnen erhebt sich über die Mittelmäßigkeit, und die Schauspielerinnen bleiben sogar noch weit unter ihr zurück.

In dem sehr hübschen Konzertsaale ward ein echt schottisches Konzert vor einem sehr brillanten Auditorium gegeben. Es war als ein Vokalkonzert angekündigt und bestand nur aus drei Singstimmen, begleitet von einem Pianoforte. Die Sänger gaben den ganzen Abend nur leichte Romanzen, Lieder und dreistimmige Kanons, hier Glees genannt. Diese Art Musik ist in England, noch mehr in Schottland, sehr beliebt. Musik und Text waren ganz schottisch. Letzterer oft aus Ossian entlehnt, erstere durchaus sanft und klagend, durch Molltöne sich hinwindend. Manche uralte Melodie ertönte hier und wurde mit heißer Vaterlandsliebe aufgenommen. Das Ganze wäre für eine Stunde etwa recht angenehm gewesen; aber es hatte den Fehler aller Ergötzlichkeiten in Großbritannien, es währte zu lange. Das Auditorium war indessen sehr aufmerksam bis ans Ende; nur einige ältliche Herren, die sich wahrscheinlich bei Tische das Wohl der Nation zu sehr zu Herzen genommen hatten, verfielen in süßen Schlummer und schnarchten überlaut den Grundbaß zu dem etwas mageren Akkompagnement des Pianoforte. Die Singstimmen waren gut und sangen diese einfachen Melodien, wie dergleichen gesungen werden müssen, schmucklos, richtig und ausdrucksvoll.

Die lärmende Woche war nun vorüber, die Sehenswürdigkeiten wurden eingepackt, die Assembleesäle geschlossen, die Fremden reisten fort, die Einheimischen zogen zum Teil auf ihre Landhäuser, und alles kehrte zur gewohnten Ordnung und Stille zurück.

Wir blieben noch einige Zeit, um Edinburgh auch in der Ruhe zu sehen und zu genießen; dann kam auch der Tag unserer Abreise. Wie wir aus der Tür unserer Wohnung traten, hatten wir einen in England ganz ungewohnten Anblick: eine große Anzahl Bettler umlagerte unseren Wagen bis zur Haustür; wir mußten unseren Weg von den Söhnen und Töchtern des Elends erkaufen. Endlich rollten wir fort. Die Morgensonne rötete das alte Schloß, König Arthurs Sitz, und die Ruinen von Mariens Gefängnis. Nochmals blickten wir zurück auf das spiegelhelle Meer und eilten nun erwartungsvoll den Hochlanden zu.

Carron, Stirling

Rasch ging es vorwärts auf ebenem Wege, durch ein schön kultiviertes, nicht sehr bergiges Land. Bald erblickten wir von weitem viele große Gebäude, mit abenteuerlichen, hohen Schornsteinen. Dicke schwarze Rauchwolken stiegen aus diesen empor und wälzten sich verfinsternd über die blühende Gegend; hoch aufsprühende Flammen blitzten aus dem Dampfe gen Himmel.

Es waren die berühmten Eisengießereien von Carron, denen wir uns nahten, vielleicht die größten in aller Welt. Hier werden Kanonen, Mörser, große Kessel und alles mögliche Eisenwerk gegossen. Seit einigen Jahren wird Fremden der Eintritt in diese Kyklopenwohnung nicht mehr gestattet, auch uns ward er verweigert. Wir waren eben nicht unzufrieden darüber, denn auf Reisen sieht man manches, weil man einmal da ist, ohne Freude und Anteil, aus einer Art von Pflichtgefühl, und wäre zuweilen gern der Mühe überhoben. Das ganze hat hier, bei aller ungeheuren Größe, dennoch wenig Einladendes. Der Steinkohlendampf versetzte uns den Atem, betäubendes Getöse und Gehämmer erscholl aus dem Innern der Gebäude; ewige Dämmerung herrscht in diesen Rauchwolken, die weit und breit mit Asche und Ruß Bäume und Pflanzen bedecken und die Vegetation ins Gewand der Trauer hüllen.

Nicht weit von Carron sahen wir einen großen Kanal, der die beiden Ströme Clyde und Forth verbindet und für den inneren Handel von unbeschreiblichem Nutzen ist. Gegen Abend erreichten wir Stirling.

Diese ziemlich große, lebhafte Stadt wird schon zu den Hochlanden gerechnet. Jetzt war sie voller Soldaten, und Straßen und Häuser umso lebendiger. Ihre Lage am Fuße eines hohen Felsen ist sehr schön. Einige Straßen führen gerade den Fels hinauf, auf dessen höchstem Gipfel ein altes Schloß thront. Jetzt ist es zum Teil zu Kasernen, zum Teil zu Offizierswohnungen eingerichtet.

Von der Terrasse vor dem Schlosse genossen wir einer wunderschönen Aussicht. Ein breites, fruchtbares Tal lag vor uns in aller Pracht der höchsten Kultur, der üppigsten Vegetation, mit einzelnen Wohnungen, Dörfern, stattlichen Bäumen wie besät. In den mannigfaltigsten Krümmungen windet der Fluß Forth sich durch die lachende Gegend; bald geht er vorwärts, bald kehrt er auf lange Strecken zurück und schleicht dann wieder zögernd weiter, als sträube er sich, dies Paradies zu verlassen. Eine schöne, steinerne Brücke, dicht vor der zu unseren Füßen liegenden Stadt, macht die Landschaft noch malerischer. In der Ferne sieht man die Rauchwolken von Carron wie aus einem Vulkan emporsteigen. Schöne blaudämmernde Berge schließen von zwei Seiten die Perspektive, geradeaus ist sie unbegrenzt.