Scone Palace gehört dem Lord Mansfield, als ein Geschenk König Jacobs des Zweiten an seine Familie. Der Besitzer wohnt hier immer noch von Zeit zu Zeit, obgleich das Haus so schlecht ist, daß mancher Krämer oder Makler schwerlich zu einem Sommeraufenthalt damit vorlieb nehmen würde. Ein neues Wohnhaus wird jetzt neben dem alten Gebäude erbaut, dieses aber mit aller Sorgfalt unverändert erhalten, die sein ehrwürdiges Alter und seine ehemalige hohe Bestimmung verdienen.
Man zeigte uns noch manches uralte Zimmer darin, manche verblichenen Reste ehemaliger königlicher Pracht. Das Bette, in welchem Maria Stuart während ihrer Gefangenschaft in jenem, jetzt in Trümmern liegenden Schlosse bei Edinburgh wohl oft vergebene Ruhe und Vergessen ihres Kummers suchte, wird hier wie ein Heiligtum aufbewahrt; auch eine Stickerei, die sie dort sehr mühsam und fleißig verfertigte. Mit Silber und Seide hat sie auf einem violett samtenen Vorhang eine Menge zerstreuter, mannigfaltiger Blumen gestickt; das Dessin ist steif, die Arbeit eine Art Kettenstich, sehr sauber und zierlich.
Eine lange, schmale, düstere Galerie diente dem schottischen Parlamente zum Versammlungsorte; wenn man sie sieht, wird es schwer, an ihre ehemalige große Bestimmung zu glauben, so unscheinbar ist sie. An der gewölbten, mit Holz bekleideten Decke bemerkt man Spuren von Malerei, die auch in ihrem glänzendsten Zustande sehr unbedeutend gewesen sein muß.
In einer alten, abgelegenen Kapelle im Garten, jetzt das Begräbnis der Familie Mansfield, wurden sonst die Könige von Schottland gekrönt.
Die Gegend zwischen Perth und Scone Palace ist sehr angenehm und reich. Auf dem Rückwege verweilten wir bei einer der großen Bleichereien, deren es hier viele gibt. Der Besitzer derselben war sehr willfährig, uns überall herumzuführen. Hier braucht's der Dampfmaschine nicht, um alle die verschiedenen Triebwerke in Bewegung zu setzen; das Wasser vertritt ihre Stelle auf eine weniger kostspielige Weise. Eine Baumwollspinnerei oben im Hause, das Stampfen der Leinwand und das Glätten derselben wird durch Wasser betrieben. Die letztere Behandlung des Leinenzeugs, besonders des Tischzeugs, schien uns merkwürdig. Die Waren erhalten hier einen Glanz, der alles Ähnliche, selbst den schönsten Atlas, weit übertrifft. Diesen bringt man dadurch hervor, daß das Stück Leinwand vermittelst eines Treibwerkes von einer großen hölzernen Walze auf die andere gerollt wird; diese zwei Walzen haben eine kleinere von Zinn zwischen sich, an welche sie so eng anschließen, daß die Leinwand nur mühsam beim Aufrollen sich dazwischen durchdrängen kann, und diese Reibung ist es, welche ihr den vorzüglichen Glanz gibt.
Wir waren entschlossen, von Perth aus eine Tour durch einen Teil der eigentlichen Hochlande zu machen. Die Wege in diesen sind, wenn auch nicht so gut wie im übrigen Königreiche, dennoch zum größten Teil fahrbar, seitdem man vor nicht langer Zeit die sogenannten Militärstraßen anlegte; aber Posten waren noch nicht eingerichtet, Pferde überhaupt selten; deshalb mieteten wir welche in Perth für die ganze Strecke Weges und reisten dem Gebirge zu.
Kenmore
Durch eine zuerst ziemlich flache, fruchtbare Gegend gelangten wir in ein Tal von erhabener Schönheit. Hohe, wilde Felsen umgeben es von beiden Seiten. So wie der Weg an ihrem Fuße immer in einer gewissen Höhe sich hinwindet, öffnen sich neue, entzückende Aussichten. Tief unten rauscht und wogt der ziemlich breite Strom Tay. Kleine Kornfelder und Baumgärtchen grünen und blühen an den Ufern, zwischen ihnen zerstreuen sich einzelne Hütten. In einem tieferen Winkel, heimlich zwischen die Felsen gedrängt, sahen wir ein Dörfchen; Scharen fröhlicher Kinder trieben darin ihr lautes Spiel, die Mütter spannen in den Türen, die Männer, in ihrer romantischen Tracht, waren in den Feldern und Gärten beschäftigt. Das ganze sah sehr fremd aus, und doch wieder so heimisch, so ruhig und zufrieden. Nachdem wir in einer Fähre über den Strom gesetzt waren, erreichten wir Dunkeld, und fanden gegen unsere Erwartung einen sehr guten Gasthof in diesem abgelegenen Winkel der Welt.
Immer noch am romantischen Ufer des Stroms Tay führte unser Weg nach Kenmore, einem Dörfchen, arm und klein wie alles in diesem Lande. Wir fuhren über Berg und Tal, zuweilen dicht an Abgründen hin, die uns schaudern machten. Bald näherten wir uns ganz dem Gestade des Stroms; bald sahen wir ihn völlig aus dem Gesichte; aber immer führte uns der sich auf mannigfaltige Weise schlängelnde Weg wieder in seine Nähe. Ein unnennbar freudiges Gefühl von Ruhe und Frieden bemächtigte sich unser in dieser Stillen Abgeschiedenheit, wo klare, lebendige Wasser durch fruchtbare angebaute Täler rieseln und brausen, von hohen Bergen umfriedet. Diese starrten nicht, wie die von Derbyshire, rauh und nackt uns entgegen, schöne Waldungen bekleiden sie, fast bis zum höchsten Gipfel hinaus, und winken freundlich dem Wanderer in ihre erquickenden Schatten.
Der Anblick der armen Hütten, die wir einzeln in den Tälern, am Fuße der Felsen oder in der Nähe des Stroms zerstreut liegen sahen, würde uns schmerzhaft berührt haben, wenn die Bewohner mit ihrem kläglichen Lose weniger zufrieden geschienen hätten. Wir sahen große Armut, aber nicht eigentliches Elend. Jede Hütte hat ihr kleines Kartoffelfeld, das die Einwohner nährt, und einige Ziege und Schafe, von einer besonderen, sehr kleinen Rasse, fast wie die Heideschnucken auf der Lüneburger Heide, welche ihnen Milch, Käse und die notwendige Kleidung gewähren.