Der Steine vereinigt so ziemlich alles, woraus das Leben in Brighton besteht; sehr unangenehm aber ist es, daß auch die Fischer sich in diesen glänzenden Kreis drängen, und gerade in der Gegend, wo man am häufigsten spaziert, ihre Netze zum Trocknen ausbreiten und die Luft verderben.

Die zweite, jedoch weniger besuchte Promenade ist ein Garten. Ihn umgeben schattige Bäume, die hier als eine Seltenheit verehrt werden, obgleich man sie an anderen Orten kaum bemerken würde. Er enthält auch einen hübschen Salon mit einem Orchester.

Die Versammlungssäle befinden sich in zwei Tavernen oder Gasthöfen, der Kastelltaverne und der alten Schiffstaverne. In ersterer wird gespielt; man findet noch ein Kaffeehaus, ein Billard und dergleichen darin; in der zweiten ist dieselbe Einrichtung, doch können hier auch noch Fremde wohnen. Wir fanden indessen die Aufnahme in derselben weit weniger gut, als man es in England gewohnt ist. Die Säle beider Häuser bestehen wie die in Bath aus einem Tanzsaale und einigen Nebenzimmern zum Spiele, Tee und Unterhaltung. Sie sind alle artig und zweckmäßig verziert.

Bei unserer Abreise von Brighton blieben wir zwei Tage in dem auf halbem Wege gelegenen Städtchen Reigate, weil wir jemanden vorausschickten, der unsere Wohnung in London zu unserem Empfange einrichten lassen sollte. Wir freuten uns, nach langem Herumstreifen einmal Halt zu machen und Atem zu schöpfen, ehe wir auf's neue in den ewig kreisenden Strudel der großen Hauptstadt gerieten. Aber in diesem kleinen Orte war wenig an Ruhe und Stille zu denken: Postchaisen, Equipagen, öffentliche Fuhrwerke aller Art rollten unablässig an unserer Wohnung vorüber. Es war, als ob alle Frauenzimmer aus London emigrieren wollten, denn aus ihnen bestand bei weitem die Mehrzahl der Vorüberreisenden.

Die Landkutschen füllten von innen und außen Weiber und Mädchen, und stattliche Ladies in eleganten Postchaisen guckten kaum mit der Nase über Berge von Putzschachteln hinweg, welche die Zurüstungen zu künftigen Triumphen enthielten. Man trieb und jagte, um nur keinen Auenblick zu verlieren; eifriger ward nie nach Loreto gepilgert als hier nach Brighton, wohin alles zog.

RÜCKKUNFT NACH LONDON

Wir setzten unsere Reise weiter nach London [Fußnote: zur Zeit Johannas zählte die Stadt etwa 900 000 Einwohner] fort, wo wir glücklich anlangten und uns in den gewohnten Umgebungen wieder etwas einheimischer fühlten als auf der eben beendeten, nur durch wenige Ruhepunkte unterbrochenen Reise.

Schwer ist's, in dieser ungeheuren Stadt sich ganz zu Hause zu finden. Zwar lebt es sich zwischen den vertrauten vier Wänden hier wie überall heimisch; doch kaum setzt man den Fuß auf die Straße, so ist man in einer unbekannten Welt, in der Fremde, und hätte man auch ein Menschenleben in London zugebracht. Das rastlose Treiben einer Million Menschen, auf einem verhältnismäßig immer kleinen Punkte, reißt unaufhaltsam alles mit sich fort, indem es zugleich alles trennt. Da wir uns indessen eine geraume Zeit in diesem großen Strudel mit herumwirbeln ließen, so gelang es uns wenigstens manches aufzufassen aus dem unendlichen Treiben und manches ganz Individuelle zu bemerken.

London

Von welcher Seite man auch diese Stadt betreten mag, immer glaubt man schon lange in ihrer Mitte zu sein, ehe man noch ihre Grenzen erreichte. Keine der größten Städte Europas, nicht Wien, nicht Berlin, selbst nicht Paris kündigt sich aus der Ferne so imposant an. Häuser reihen sich an Häuser, durch fast unbemerkbare Zwischenräume in verschiedene Flecken, Städtchen und Dörfer abgeteilt, alle scheinen zu einem Ganzen vereint, alle vergrößern ins Ungeheure die Stadt, welche ohnehin in ihrem Bezirke, bei verhältnismäßiger Breite, anderthalb deutsche Meilen lang ist. Zu ihr führen von allen Seiten schöne breite Heerstraßen, welche, auch außer den Städten und Flecken, mehrere Stunden weit von London mit Laternen besetzt sind. Ein ewiges Gewühl von Wagen und Reitern verkündigt dem Fremden schon von ferne, daß er dem Wohnorte von fast einer Million Menschen sich nähere.