Besonders merkwürdig für den Forscher nach alter Sitte sind zwei Zimmer; das erste steht noch da, wie König Jakob der Erste [Fußnote: König von Großbritannien und Irland (1603-25), als König von Schottland Jakob IV. (1567-1625), Sohn Maria Stuarts.] es verließ, der einmal eine Nacht darin zubrachte. In dem hohen geschnitzten Bette könnten wenigsten sechs Personen bequem Platz finden; an den Spiegeln ist mehr Schnitzwerk als Glas, und die zentnerschweren Lehnstühle sind mit kleinen Treppen zum Hinaufsteigen versehen.
Das andere Zimmer, dessen Einrichtung aus derselben Zeit stammt, ist ein kostbares Denkmal der damaligen soliden Pracht. Die aus Gold und Silber gewirkten Gardinen des Bettes, welches allein zwanzigtausend Pfund Sterling gekostet hat, scheinen ihre Entstehung eher dem Amboß und Hammer als dem Webstuhle zu verdanken, so massiv sind sie, und die mit einer zolldicken künstlichen goldenen Stickerei über und über verzierte Decke desselben würde jeden, der darunter schlafen wollte, durch ihre Schwere erdrücken. Eine silberne Toilette von schöner alter getriebener Arbeit, ein großer silberner Tisch und ein geschnitzter Schrank, groß wie ein Haus in den Hochlanden, über und über besetzt mit silbernen Prunkvasen, machen das Ameublement vollständig.
Viele andere Zimmer enthalten eine Menge guter alter Gemälde. Besonders merkwürdig in dieser Hinsicht ist eine lange Galerie voll Familienportraits und Bildnissen ausgezeichneten Menschen früherer Zeit. Manche wunderliche Karikatur, aber auch mancher vortrefflich gemalter Kopf blickt hier von den Wänden auf uns herab. Zu den letzteren gehört besonders ein sehr charakteristisches Porträt Cromwells, nächst dem Luthers, dessen bleichen Freundes Melanchthon und Erasmus, gemalt von Lucas Cranach. Die Porträts fast aller bekannten und berühmten Gelehrten und Dichter Englands füllen ein besonderes Kabinett.
Weiterhin hinter Knoles erhebt sich die Gegen allmählich; höhere Berge gewähren dem Reisenden manche schöne Aussicht; bald zeigen wunderbar gestaltete Felsen ihre kahlen Scheitel; weiter blick man hinab in die tiefen Schluchten eines sehr pittoresken Steinbruchs; dann zeigt sich die schöne Ruine eines uralten Schlosses hoch auf einem Berge, der drohend auf das and seinem Fuße liegende Städtchen Tunbridge hinabschaut. So geht es fort bis zu dem einige Meilen weiterhin gelegenen freundlichen Badeorte Tunbridge Wells.
Dieser wird sehr häufig besucht, da er nur sechsunddreißig Meilen von der Hauptstadt entfernt ist und man den Weg dahin in wenigen Stunden zurücklegt. Wir würden indessen die Grenzen der nächsten Umgebung überschreiten, wenn wir uns auf dessen nähere Beschreibung hier einließen; auch zeichnet er sich weder durch seine innere Einrichtung noch durch seine Lage vor anderen ähnlichen Orten aus. Tunbridge sei also der Scheidepunkt, wo wir dem Leser, der uns freundlich bisher begleitete, ein dankbares Lebewohl sagen.