»Welche Lieder, Heidi?« fragte der Herr Doktor.
»Ich kann nur das von der Sonne und dem schönen Garten und noch von dem andern langen die Verse, die der Großmutter lieb sind, denn die muß ich immer dreimal lesen«, erwiderte das Heidi.
»So sag mir einmal diese Verse, die möchte ich auch hören«, und der
Herr Doktor setzte sich zurecht, um aufmerksam zuzuhören.
Heidi legte seine Hände ineinander und besann sich noch ein Weilchen:
»Soll ich dort anfangen, wo die Großmutter sagt, daß einem wieder eine
Zuversicht ins Herz kommt?«
Der Herr Doktor nickte bejahend.
Jetzt begann Heidi:
»Ihn, ihn laß tun und walten,
Er ist ein weiser Fürst
Und wird es so gestalten,
Daß du dich wundern wirst,
Wenn er, wie ihm gebühret,
Mit wunderbarem Rat
Das Werk hinausgeführet,
Das dich bekümmert hat.
Er wird zwar eine Weile
Mit seinem Trost verziehn
Und tun an seinem Teile,
Als hätt' in seinem Sinn
Er deiner sich begeben,
Als sollt'st du für und für
In Angst und Nöten schweben,
Als fragt' er nichts nach dir.
Wird's aber sich begeben,
Daß du ihm treu verbleibst,
So wird er dich erheben,
Da du's am mind'sten gläubst.
Er wird dein Herz erlösen
Von der so schweren Last,
Die du zu keinem Bösen
Bisher getragen hast.«