»Ja, ja, Peter, so mein ich nicht«, eiferte jetzt das Heidi. »Ich meine so, daß du es nachher kannst.

»Kann nicht«, bemerkte der Peter.

»Das glaubt dir jetzt kein Mensch mehr und ich auch nicht«, sagte das Heidi sehr entschieden. »Die Großmama in Frankfurt hat schon gewußt, daß es nicht wahr ist, und sie hat mir gesagt, ich soll es nicht glauben.«

Der Peter staunte über diese Nachricht.

»Ich will dich schon lesen lehren, ich weiß ganz gut, wie«, fuhr das
Heidi fort. »Du mußt es jetzt einmal erlernen, und dann mußt du alle
Tage der Großmutter ein Lied lesen oder zwei.«

»Das ist nichts«, brummte der Peter.

Dieser hartnäckige Widerstand gegen etwas, das gut und recht war und dem Heidi so sehr am Herzen lag, brachte es in Aufregung. Mit blitzenden Augen stellte es sich jetzt vor den Buben hin und sagte bedrohlich:

»Dann will ich dir schon sagen, was kommt, wenn du nie etwas lernen willst: Deine Mutter hat schon zweimal gesagt, du müssest auch nach Frankfurt, daß du allerhand lernest, und ich weiß schon, wo dort die Buben in die Schule gehen. Beim Ausfahren hat mir die Klara das furchtbar große Haus gezeigt. Aber dort gehen sie nicht nur, wenn sie Buben sind, sondern immerfort, wenn sie schon ganz große Herren sind, das habe ich selber gesehen. Und dann mußt du nicht meinen, daß nur ein einziger Lehrer da ist wie bei uns, und ein so guter. Da gehen immer ganze Reihen, viele miteinander in das Haus hinein, und alle sehen ganz schwarz aus, wie wenn sie in die Kirche gingen, und haben so hohe schwarze Hüte auf den Köpfen« - und das Heidi gab das Maß von den Hüten an vom Boden auf.

Dem Peter fuhr ein Schauder den Rücken hinauf.

»Und dann mußt du dort hinein unter alle die Herren«, fuhr das Heidi mit Eifer fort, »und wenn es dann an dich kommt, so kannst du gar nicht lesen und machst noch Fehler beim Buchstabieren. Dann kannst du nur sehen, wie dich die Herren ausspotten, das ist dann noch viel ärger als die Tinette, und du solltest nur wissen, wie es ist, wenn diese spottet.«