»Oh, ich weiß schon, was das gibt«, rief das Heidi in Freuden aus. »Das ist nötig, wenn sie von Frankfurt kommen. Der ist für die Großmama und der, den du jetzt machst, für die Klara, und dann… dann muß noch einer sein«, fuhr das Heidi zögernd fort, »oder glaubst du nicht, Großvater, daß Fräulein Rottenmeier auch mitkommt?«

»Das kann ich nun nicht sagen«, meinte der Großvater, »aber es ist sicherer, einen Stuhl bereit zu haben, daß wir sie zum Sitzen einladen können, wenn sie kommt.«

Das Heidi schaute nachdenklich auf die hölzernen Stühlchen ohne
Lehne hin und machte still seine Betrachtungen darüber, wie Fräulein
Rottenmeier und ein solches Stühlchen zusammenpassen würden. Nach
einer Weile sagte es, bedenklich den Kopf schüttelnd:

»Großvater, ich glaube nicht, daß sie darauf sitzt.«

»Dann laden wir sie auf das Kanapee mit dem schönen grünen
Rasenüberzug ein«, entgegnete ruhig der Großvater.

Als das Heidi noch nachsann, wo das schöne Kanapee mit dem grünen Rasenüberzug sei, erscholl plötzlich von oben her ein Pfeifen und Rufen und Rutenschwingen durch die Luft, daß das Heidi sofort wußte, woran es war. Es schoß hinaus und war augenblicklich von den herabspringenden Geißen umringt. Denen mußte es wohl sein, wie es dem Heidi war, wieder auf der Alp zu sein, denn sie machten so hohe Sprünge und meckerten so lebenslustig wie noch nie, und das Heidi wurde dahin und dorthin gedrängt, denn jede wollte ihm zunächst kommen und ihre Freude bei ihm auslassen. Aber der Peter stieß sie alle weg, eine rechts und die andere links, denn er hatte dem Heidi eine Botschaft zu überbringen. Als er zu ihm vorgedrungen war, hielt er ihm einen Brief entgegen.

»Da!« sagte er, die weitere Erklärung der Sache dem Heidi selbst überlassend. Es war sehr erstaunt.

»Hast du denn auf der Weide einen Brief für mich bekommen?« fragte es voller Verwunderung.

»Nein«, war die Antwort.

»Ja, wo hast du ihn denn genommen, Peter?«