"Ja, jede Nacht träumt es mir und immer gleich. Dann mein ich, ich sei beim Großvater, und draußen hör ich's in den Tannen sausen und denke: Jetzt glitzern so schön die Sterne am Himmel, und ich laufe geschwind und mache die Tür auf an der Hütte und da ist's so schön! Aber wenn ich erwache, bin ich immer noch in Frankfurt." Heidi fing schon an zu kämpfen und zu schlucken an dem Gewicht, das den Hals hinaufstieg.

"Hm, und tut dir denn auch nichts weh, nirgends? Nicht im Kopf oder im Rücken?"

"O nein, nur hier drückt es so wie ein großer Stein immerfort."

"Hm, etwa so, wie wenn man etwas gegessen hat und wollte es nachher lieber wieder zurückgeben?"

"Nein, so nicht, aber so schwer, wie wenn man stark weinen sollte."

"So, so, und weinst du denn so recht heraus?"

"O nein, das darf man nicht, Fräulein Rottenmeier hat es verboten."

"Dann schluckst du's herunter zum andern, nicht wahr, so? Richtig! Nun, du bist doch recht gern in Frankfurt, nicht?"

"O ja", war die leise Antwort; sie klang aber so, als bedeute sie eher das Gegenteil.

"Hm, und wo hast du mit deinem Großvater gelebt?"