Herr Sesemann trat mit seinem Brief ins Esszimmer ein, wo das Frühstück bereitstand, und rief: "Wo ist das Kind?"
Heidi wurde gerufen. Als es zu Herrn Sesemann herantrat, um ihm 'guten Morgen' zu sagen, schaute er ihm fragend ins Gesicht: "Nun, was sagst du denn dazu, Kleine?"
Heidi blickte verwundert zu ihm auf.
"Du weißt am Ende noch gar nichts", lachte Herr Sesemann. "Nun, heut gehst du heim, jetzt gleich."
"Heim?", wiederholte Heidi tonlos und wurde schneeweiß, und eine kleine Weile konnte es gar keinen Atem mehr holen, so stark wurde sein Herz von dem Eindruck gepackt.
"Nun, willst du etwa nichts wissen davon?", fragte Herr Sesemann lächelnd.
"O ja, ich will schon", kam jetzt heraus, und nun war Heidi dunkelrot geworden.
"Gut, gut", sagte Herr Sesemann ermunternd, indem er sich setzte und Heidi winkte, dasselbe zu tun. "Und nun tüchtig frühstücken und hernach in den Wagen und fort."
Aber Heidi konnte keinen Bissen herunterbringen, wie es sich auch zwingen wollte aus Gehorsam; es war in einem Zustand von Aufregung, dass es gar nicht wusste, ob es wache oder träume und ob es vielleicht wieder auf einmal erwachen und im Nachthemdchen an der Haustür stehen werde.
"Sebastian soll reichlich Proviant mitnehmen", rief Herr Sesemann Fräulein Rottenmeier zu, die eben eintrat; "das Kind kann nicht essen, begreiflicherweise.--Geh hinüber zu Klara, bis der Wagen vorfährt", setzte er freundlich, zu Heidi gewandt, hinzu.