Als er aber schon am Gartenzaun stand, kehrte die Frau Menotti, die ihn begleitet hatte, noch einmal um und fragte voller Besorgnis: »Ach, Herr Pfarrer, wird auch sicher keine Lebensgefahr dabei sein, oder daß der Rico auf den verirrlichen Wegen sich verlieren könnte und dann in den wilden Bergen umherirren müßte?«

Der Herr Pfarrer beruhigte die Frau nochmals, und nun ging sie zurück und bedachte, was nun alles für den Rico zu tun sei. Dieser trat eben in den Garten ein, und das Freudengeschrei, welches ihm Silvio nun entgegensandte, war so erstaunlich, daß Rico in drei Sprüngen an dem Bett war, um zu sehen, was sich da ereignet habe.

»Was hast du? was hast du?« fragte Rico immerzu, und Silvio rief in einem fort: »Ich will’s sagen! Ich will’s sagen!« vor lauter Angst, die Mutter komme ihm zuvor. Diese ließ aber nun die Buben mit ihrer Freude allein und ging ihrem Geschäfte nach, denn das war nun das Wichtigste. Sie holte einen Reisesack hervor und stopfte unten hinein ein ungeheures Stück geräuchertes Fleisch und einen halben Laib Brot und ein großes Paket gedörrter Pflaumen und Feigen und eine Flasche Wein, gut in ein Tuch gewickelt, und dann kamen die Kleider, zwei Hemden, ein Paar Strümpfe und ein Paar Schuhe und Taschentücher, und bei alledem war der Frau nicht anders zumute, als reiste Rico nach dem fernsten Weltteil, und sie merkte nun erst recht, wie lieb ihr der Rico war, so daß sie ohne ihn fast nicht mehr sein konnte.

Sie mußte auch zwischen dem Packen immer wieder niedersitzen und denken: »Wenn es nur auch kein Unglück gibt!«

Nun kam sie herunter mit dem Sack und ermahnte den Rico, jetzt gleich hinzugehen und der Wirtin alles gut zu erklären und sie zu bitten, daß sie ihn auch gehen lasse und nichts dagegen habe, und den Sack könne er gleich auf die Bahn bringen.

Rico war zum höchsten erstaunt über sein Gepäck; er tat aber folgsam, wie ihm geheißen wurde, und ging dann zur Wirtin. Er erzählte dieser, daß er in die Berge hinauf müsse und das Stineli herunterholen, und es komme vom Herrn Pfarrer her, daß er gleich morgen um fünf Uhr fort müsse. Das flößte der Wirtin schon ein wenig Respekt ein, daß der Herr Pfarrer mit der Sache zu tun habe. Sie wollte aber wissen, wer das Stineli sei und was es im Sinn habe; sie dachte gleich, das könnte etwas für sie sein. Sie brachte aber nur in Erfahrung, daß das Stineli ein Mädchen sei, das Stineli heiße, und daß es zur Frau Menotti komme. Da ließ sie die Sache gehen, denn der Frau Menotti wollte sie nichts in den Weg legen; sie war zufrieden genug, daß diese den Rico ihr so ruhig überlassen hatte. Sie nahm auch an, das Stineli sei natürlich Ricos Schwester, er sage es nur nicht, wie er überhaupt nie etwas von seinen Familienverhältnissen gesagt hatte.

So erzählte sie auch noch denselben Abend allen Gästen, die ins Haus kamen, der Rico hole morgen seine Schwester herunter, denn er habe erfahren, wie gut man es hier unten haben könne.

Nun wollte sie aber auch zeigen, wie sie es mit dem Rico meinte. Sie holte einen großen Korb vom Estrich herunter und steckte ihn ganz voller Würste und Käse und Eier und Brotschnitten mit fingerdicker Butter dazwischen und sagte:

»Auf der Reise mußt du keinen Hunger haben, und das übrige kannst du schon dort oben brauchen; da wirst du nicht zu viel finden, und im Heimweg mußt du auch noch etwas haben. Denn du kommst doch wieder, Rico, sicher?«

»Sicher«, sagte Rico, »in acht Tagen bin ich wieder da.«