Der Vater hatte aber noch einmal an seiner Kappe gerutscht, es war ihm noch etwas in den Sinn gekommen. »Das Stineli ist aber noch nicht konfirmiert«, sagte er; »es wird, denk’ ich wohl, noch konfirmiert sein müssen.«

»Ich werde erst in zwei Jahren konfirmiert, Vater«, sagte Stineli eifrig; »so kann ich ganz gut jetzt für zwei Jahre fortgehen, und dann kann ich ja wieder heimkommen.«

Das war ein guter Ausweg, nun waren auf einmal alle zufrieden. Der Vater und die Mutter dachten: wenn alles krumm gehe ohne das Stineli, so sei es doch nur für eine Zeit, die werde auch umgehen, und nachher sei es wieder da, und das Trudi dachte: »Sobald es wieder da ist, gehe ich, und dann können sie sehen, wann ich wiederkomme.« Aber der Rico und das Stineli sahen einander an, und die helle Freude lachte ihnen aus den Augen.

Da der Vater die Sache nun als abgemacht ansah, stand er vom Tische auf und sagte: »Sie können dann morgen gehen, so weiß man, woran man ist.«

Aber die Mutter schlug einen großen Jammer auf und sagte, so schnell werde es ja nicht sein müssen, und jammerte immerfort, bis der Vater sagte: »So können sie am Montag gehen«, denn weiter hinaus wollte er es nicht verschieben, weil er dachte, es töne nun so fort, bis das Weggehen vorbei sei.

Für Stineli gab es nun Arbeit; das begriff der Rico wohl und er machte sich an den Sami und sagte ihm, er wolle sehen, ob es in Sils-Maria noch sei wie früher; und dann sollte er noch einen Sack und einen Korb von Sils herüberholen, da könnte ihm der Sami tragen helfen. So zogen sie aus. Zuerst stand Rico vor seinem ehemaligen Häuschen still und schaute die alte Haustüre an und den Hühnerstall; es war noch alles ganz gleich. Er fragte den Sami, wer drin wohne, ob die Base noch ganz allein sei. Aber die Base war schon lange fortgezogen, hinauf nach Silvaplana, und kein Mensch sah sie mehr, denn in Sils-Maria zeigte sie sich nie mehr.

In dem Häuschen wohnten Leute, von denen Rico nichts wußte. Überall, wo er mit Sami hinkam, vor den alten bekannten Häusern und aus den Scheunen starrten ihn die Leute fremd an, kein einziger kannte ihn mehr. Wie sie am Abend nach Sils hinübergingen, da schwenkte Rico gegen den Kirchhof ein; er wollte auf das Grab der Großmutter gehen, aber Sami wußte nicht recht, wo es war.

Mit Sack und Korb beladen, kehrten die beiden, als es dunkelte, zum Hause zurück. Da stand Stineli noch am Brunnen und fegte den Stalleimer zum letzten Male, und als nun der Rico neben ihm stand, sagte es strahlend vor Freuden und Fegeifer: »Ich kann es noch fast nicht glauben, Rico!«

»Aber ich«, sagte dieser so sicher, daß ihn das Stineli erstaunt ansehen mußte. »Aber weißt du, Stineli«, fügte er hinzu, »du hast es auch nicht so lange ausdenken können wie ich.«

Aber Stineli mußte sich noch ein paarmal wundern, daß der Rico so bestimmt etwas sagen konnte; das hatte es früher nicht an ihm gekannt.