Wiseli lief in die Küche und kam bald zurück, in der einen Hand das Licht und in der andern eine Flasche, in der ein roter Saft schimmerte, so hell und einladend, daß die durstende Kranke erfreut ausrief: “Was bringst du mir Schönes, Wiseli?”

“Ich weiß nicht”, sagte das Kind, “es stand auf dem Küchentisch, sieh, wie es funkelt.”

Die Mutter nahm die Flasche in die Hand und roch daran. “Oh”, sagte sie, “wie frische Himbeeren aus dem Wald, gib mir schnell ein wenig Wasser dazu, Wiseli.”

Das Kind goß roten Saft in ein Glas und füllte es mit Wasser, und mit durstigen Zügen trank die Mutter den erquickenden Beerensaft. “Oh, wie das erfrischte” sagte sie und übergab das leere Glas dem Kind. “Stell es weg, Wiseli, aber nicht weit. Mir ist, ich könnte alles austrinken, so durstig bin ich. Wer hat mir denn diese Flasche gebracht? Gewiß die Trine, es kommt von der Frau Oberst.”

“War denn die Trine bei dir in der Stube, Mutter?” fragte das Kind.

“Nein.”

“Dann ist es nicht die Trine, das weiß ich”, sagte das Wiseli bestimmt. “Sie geht jedesmal in die Stube, wenn sie etwas bringt. Aber der Schreiner Andres war ja bei dir, hat er dies nicht mitgebracht?”

“Ach was, Wiseli”, fiel die Mutter ganz lebhaft ein. “Was sagst du denn? Der Schreiner Andres war nie bei mir, was fällt dir denn ein?”

“Er war sicher, sicher, ganz bestimmt hier drinnen”, beteuerte Wiseli. “Gerade, als ich hereinkam, trat er so schnell aus der Tür, daß ich fast gegen ihn rannte. Hast du denn nichts gehört?”

Die Mutter war eine Zeit lang ganz still, dann sagte sie: “Ich habe schon gehört, daß jemand leise die Küchentür aufmachte. Erst meinte ich, du seist es, und—es ist wahr, erst nachher hörte ich dich hereinrennen. Bist du sicher, Wiseli, daß es der Schreiner Andres war, der zu unserer Tür herauskam?”