“Sie sollen ihn doch gehen lassen, den armen Joggi”, sagte er. “Der tut ja keinem Kind etwas zuleide, der hat mich nicht geschlagen.”
Andres hatte aber auch gegen keinen anderen Menschen den leisesten
Verdacht. Er habe keine Feinde, sagte er, und kenne keinen
Menschen, der ihm so etwas hätte antun wollen.
“Es kann auch ein Fremder gewesen sein”, bemerkte der Doktor, der die niedrigen Fenster ansah. “Wenn Sie da beim hellen Licht Geld auf dem Tisch liegen haben und zählen, so kann das von außen jeder sehen und Lust zum Teilen bekommen.”
“Ich habe nie an so etwas gedacht, es war immer alles offen,” sagte der Andres gelassen.
“Es ist gut, daß Sie noch etwas im Trockenen haben, Andres”, bemerkte der Oberst. “Lassen Sie sich das nicht zu Herzen gehen. Das wichtigste ist, daß Sie wieder gesund werden.”
“Gewiß, Herr Oberst”, erwiderte Andres und schüttelte ihm die Hand. “Ich habe nur zu danken. Der liebe Gott hat mir ja sonst schon viel mehr gegeben, als ich brauche.”
Die Herren verließen den friedlichen Andres, und vor der Tür sagte der Doktor: “Dem ist wohler als dem anderen, der ihn zusammenschlagen wollte.”
Vom Joggi wurde eine traurige Geschichte erzählt, die alle Buben in der Schule beschäftigte und in große Teilnahme versetzte. Auch Otto brachte sie nach Hause und mußte sie jeden Tag ein paarmal wiederholen, denn jedesmal, wenn er daran dachte, machte sie ihm aufs neue großen Eindruck.
Als man den Joggi an dem Abend lachend ins Armenhaus gebracht hatte, da war er aufgefordert worden, sein Goldstück an einen seiner Führer abzugeben, den Sohn des Friedensrichters. Joggi aber klemmte seine Faust noch besser zusammen und wollte nichts hergeben. Aber die beiden waren stärker als er. Sie rissen ihm mit Gewalt die Faust auf. Und der Friedensrichterssohn, der von dem Joggi manchen Kratzer während der Arbeit erhalten hatte, sagte, als er das Goldstück endlich in der Hand hielt: “So, jetzt wart nur, Joggi, du wirst schon deinen Lohn bekommen. Wart nur, bis sie kommen, sie werden dir’s dann schon zeigen.”
Da hatte der Joggi angefangen furchtbar zu schreien und zu jammern, denn er glaubte, er werde geköpft. Und seither aß er nicht und trank nicht und stöhnte und jammerte fortwährend, denn die Furcht und Angst vor dem Köpfen verfolgte ihn ständig. Schon zweimal waren der Präsident und der Gemeindeamtmann bei ihm gewesen und hatten ihm gesagt, er soll nur alles sagen, was er getan habe, er werde nicht geköpft.