“Das können Sie, Andres”, versicherte die Frau Oberst. “Sobald das Wiseli Ihr Kind ist, hat kein Mensch mehr ein Recht auf das Kind. Sie sind der Vater. Und weil ich mir gedacht hatte, Sie könnten den Wunsch haben, das Wiseli zu behalten, so habe ich meinen Mann gebeten, heute nicht fortzugehen, falls Sie etwa zur Stadt in die Kanzlei fahren würden, daß alles bald festgesetzt werde, denn zu Fuß können Sie noch nicht gehen.”

Andres wußte gar nicht, was er tat vor Aufregung und Freude. Er lief dahin und dorthin und suchte den Sonntagsrock. Dann rief er immer wieder: “Ist es auch sicher wahr? Kann’s auch sein?” Dann stand er wieder vor der Frau Oberst und fragte: “Kann es jetzt sein, gleich jetzt, heute noch?”

“Gleich jetzt”, versicherte sie. Doch gab sie nun dem Schreiner Andres die Hand zum Abschied, sie mußte gehen und ihrem Mann mitteilen, daß Andres schon reisefertig sei.

“Sie sollten es dem Wiseli erst am Abend sagen, wenn alles gut eingeleitet ist”, bemerkte die Frau Oberst noch unter der Tür.

“Ja, sicher, sicher”, gab Andres zur Antwort. “Jetzt brächte ich ohnehin kein Wort hervor.”

Als die Tür sich schloß, setzte sich Andres auf seinen Stuhl und zitterte an Händen und Füßen so sehr, daß er meinte, er könne nie mehr aufstehen. So waren ihm die Freude und Aufregung in alle Glieder gefahren. Es dauerte kaum eine halbe Stunde, da kam schon der Wagen des Obersten angefahren und hielt am Gärtchen des Schreiners. Und zu Wiselis unbeschreiblichem Erstaunen stieg der Knecht von seinem Sitz herunter, kam herein, und nach wenigen Minuten sah es, wie er wieder herauskam, den Schreiner Andres mit beiden Armen festhielt und ihm dann in den Wagen half.

Wiseli schaute dem Fuhrwerk nach, als bewege sich etwas Unfaßliches vor seinen Augen, denn der Schreiner Andres hatte kein Wort mehr zu ihm sagen können, nicht einmal, daß er ausfahren werde.

Jetzt ging Wiseli in die Stube hinein und setzte sich ans Fenster, wo sonst der Schreiner Andres saß. Und es konnte nichts anderes mehr denken als nur immerzu: Heute ist der letzte Tag, und morgen muß ich zum Onkel gehen.

Als der Mittag herankam, ging Wiseli in die Küche hinaus und machte zurecht, was der Andres essen sollte. Aber er kam nicht, und es wollte nichts essen, wenn er nicht dabei war. So ging es wieder hinein, und sofort stand der traurige Gedanke wieder vor ihm.

Aber endlich wurde es so müde vom Nachdenken, daß sein Kopf ihm auf die Schulter fiel und es fest einschlief. Aber noch im Schlaf mußte es immer sagen: “Und morgen muß ich zum Onkel gehen.” Und Wiseli sah nicht, wie leise der helle Abendschein in die Stube fiel und einen schönen Tag verkündigte.