»Ja, ja, es hat auch nicht immer Frösche und Spinnen und Raupen in der Tasche, wie du«, wehrte sich Rikli und wollte eben noch einiges beifügen, das die Berechtigung ihres Geschreies beweisen mußte, als Fred die Hand aufmachte, um nach seinem Frosch zu sehen, und dieser mit einem großen Satz gegen das Rikli hin entsprang. Mit einem durchdringenden Geschrei rannte das Kind ins Haus hinein, wo es aber nicht weit vordringen konnte, denn die Kathri schoß ihm mit einem ganz überwältigenden »Bsch! Bsch!« entgegen. »Wenn ein Krankes drinnen ist, so zu tun!«

»Wo ist die Tante?« fragte Rikli; eine Frage, welche die Kathri beantwortete, bevor sie recht ausgesprochen war, denn sie kannte diese Frage, die des Tages viele hundert Male in dem Hause gehört wurde.

»In der anderen Stube; hier drinnen ist das Kranke, geh nicht dahinein, die Mama hat’s verboten; und das Schreien wie von einem angestochenen Spanferkelchen ist auch nicht erlaubt im Hause drinnen«, fügte die Kathri aus eigener Beurteilung hinzu.

Rikli eilte in die andere Stube hinein, um der Tante die Geschichte mit dem Frosch zu klagen, denn es konnte nicht darüber wegkommen, daß er ihm fast ins Gesicht gesprungen war. Aber die Tante war schon in Anspruch genommen: Oskar, der älteste Bruder, saß neben ihr, in ein ernsthaftes Gespräch vertieft.

»Weißt du was, Tante? Wenn der Feklitus nicht nachgibt, so könnte man beide Sprüche zusammensetzen; dann wäre doch der unsere da und die anderen hätten den ihrigen auch, meinst du nicht?«

»Ja, das könnte man tun«, stimmte die Tante bei; »so ist allen geholfen und die Verse sind gedankenreich, wie es bei solchen Gelegenheiten sein muß.«

»Hilf du dann auch der Emmi brodieren, Tante«, bat Oskar; »weißt du, sie macht sonst die Fahne nie fertig, sie läuft gewiß hundertmal davon weg, etwas anderem nach.«

Die Tante versprach ihre Mithilfe. Hocherfreut sprang Oskar auf und davon, denn er mußte seinen Freunden schnell noch Mitteilung über den glücklich gefundenen Ausweg mit den Sprüchen und das erfreuliche Versprechen der Tante machen. Bevor aber Rikli noch zu Worten kam für seine Froschgeschichte, war schon die ältere Schwester Emmi hereingestürzt und rief in großer Aufregung: »Tante! Tante! Sie gehen alle in die Erdbeeren, ein ganzer Trupp; darf ich noch mit? Sag doch schnell ja, ich kann nicht zur Mama und es pressiert.«

»Einmal in die Veilchen und einmal in die Erdbeeren und einmal in die Heidelbeeren und immer in etwas, so ist’s bei dir, Emmi. So geh, aber komm nicht spät heim.«

Emmi war schon draußen.