»Gewiß mußt du es tun, ganz sicher, denk, wie wird es den Fani freuen! Versprich, daß du es sicher tun willst –«.

Das Elsli konnte nichts mehr versprechen, eben kam der Oskar herangelaufen und nahm es gleich bei der Hand: »Ich habe dich allenthalben gesucht, Elsli«, rief er eilig; »jetzt find’ ich dich endlich! Komm mit mir, ich habe dir etwas zu sagen!« Damit zog er das Elsli ohne weiteres fort, von neuem ums Haus herum und hinter die Haselnußhecke; hier blieb er stehen. Die Emmi folgte nicht nach, sie fand es besser, den Oskar nicht noch zu reizen. Da sie soeben alle Bleistifte im ganzen Hause zusammengerafft und für den Fani fortgenommen hatte samt allem weißen Papier, das ihr und den Brüdern zu ihren verschiedenen Zwecken übergeben und immer zu schnell verschwunden war, sah sie ohnedies einem Zornesausbruch von seiten der Brüder entgegen.

»Jetzt hör, Elsli, was ich dir erkläre«, sagte Oskar eindringlich; »es ist für dich selbst sehr wichtig. Siehst du, jetzt kommst du ins Ausland und da bist du dann zuerst fremd. Aber es hat dann schon auch noch Schweizer an dem Ort, und da könnt ihr dann einen Verein gründen, einen Vaterlandsverein; da kommt ihr dann jede Woche einmal zusammen und sprecht so von allem im Vaterland –«.

»Ja, aber ich weiß dann gewiß nichts zu sagen«, warf das Elsli etwas ängstlich dazwischen.

»Das ist gleich, die anderen reden dann schon«, fuhr Oskar eifrig fort; »aber jetzt hör die Hauptsache. Im nächsten Sommer, wenn du dann heimkommen darfst, da mußt du mit allen den Mitgliedern, die dann auch kommen, einen Ort verabreden, wo ihr dann zusammenkommen wollt, da wird dann das Stiftungsfest gefeiert. Dann kommt man scharenweis von allen Seiten, und ich komme mit einer prachtvollen Fahne, und es gibt ein ungeheures Fest mit einem Umzug. Schreib mir dann, sobald der Verein gegründet ist.«

»Ja, ich will schon«, sagte das Elsli ein wenig zaghaft, denn es sah noch nicht recht klar vor sich, wer den Verein gründen würde. Es konnte aber keine weiteren Fragen tun, denn eben kam der Fred dahergestürmt mit einem langen Papierbogen in der Hand; hinter ihm her keuchte das Rikli. Oskar ging seiner Wege.

»Elsli, komm, lies«, rief jetzt der Fred; »sieh, alle diese schönen Raupen und die seltenen Käfer und diese Schneckenart, die wirst du alle dort unten finden, am Rhein und in der Umgegend. Du mußt nur auf den Spaziergängen immer in die Hecken hineinkriechen und überall ein wenig den Boden aufscharren, dann kommen die Kerle schon heraus, und dann schickst du mir alle Exemplare, die du fangen kannst, nicht wahr? Ich schicke dir dann auch etwas Schönes zurück. Du kannst nur alles durcheinander in die Tasche stecken, bis du vom Spaziergang daheim bist, und dann so die Hand obendrauf halten, daß sie nicht unterdessen herauskrabbeln, siehst du, so, wie ich es immer mache«, und Fred breitete die Hand beispielsweise weit aus über seine Tasche, so als wollte es überall darunter hervorkrabbeln.

Das Rikli schauderte über und über.

Elsli wollte so gern dem Fred den Gefallen tun, aber der Auftrag war ihm nicht viel klarer, als der von Oskar, und es sagte demütig: »Ich wollte es gewiß gern tun, Fred; aber wie muß ich es denn machen, daß ich die Käfer und die Raupen kenne, die so heißen?«

Das war ein völlig klarer Einwurf. Fred erkannte die Wahrheit dieses Hindernisses; aber er war nicht der Mensch, so bald vor Hindernissen zurückzuweichen. Er schaute seinen Bogen an. Wenn er zu jedem Namen das Tier hinzeichnen, dann malen würde? Richtig!