Klarissa legte ihre Arbeit weg. »Einmal wollen wir es wieder zusammen singen, Kind, wenn du etwas kräftiger bist; jetzt will ich dir’s sagen«, und sie legte ihre Hände ineinander und begann:
»Es fließt ein Strom kristallenklar
Durch immer grüne Auen,
Da glänzt der Lilien weiße Schar
Im Duft, dem himmelblauen.
Und Rosen duften, Rosen glühn
Auf sonnengoldner Wiese,
Und Vögel jauchzen laut im Grün:
Wir sind im Paradiese!
Und immer milde Lüfte wehn
Auf all den Blumenwegen,
Und Menschen wie im Traume gehn
Und kommen sich entgegen.
Und grüßen sich allüberall
In Staunen und in Wonne.
Sie kommen aus dem dunkeln Tal
Ins Land der ew’gen Sonne.
Und ziehen selig hin und her
Und wissen nichts von Leide,
Die kennen keine Tränen mehr,
Die kennen lauter Freude.«
Als Klarissa geendet hatte, war eine Zeitlang alles still; Nora schien in Gedanken vertieft zu sein.
»Klarissa«, sagte sie nach einer Weile, »das ist so schön, und macht mir so große Lust, zu gehen.«
»Geh nur gern, du liebes Kind, ja geh nur gern«, sagte Klarissa mit Tränen der Freude in den Augen, »dann wandelst auch du fröhlich unter den leuchtenden Blumen hin und singst:
›Wir kennen keine Tränen mehr,
Wir kennen lauter Freude.‹