Wir geben im Anschluß an Titchener einen Überblick über die verschiedenen Zweige der experimentellen Psychologie.
I. Die Psychologie des normalen Seelenlebens.
A. Die individuelle Psychologie.
- Die Psychologie des Menschen.
- Allgemeine Psychologie: die Psychologie des Erwachsenen.
- Die spezielle Psychologie der einzelnen Entwicklungsstadien (des Kindes, des Greises u. ä.).
- Die differentielle Psychologie; sie behandelt die psychischen Unterschiede der Individuen.
- Die genetische Psychologie; sie erforscht die Entwicklung der Psyche im Laufe des Lebens.
- Die Tierpsychologie. Ihre Unterabteilungen ähnlich wie bei 1.
- Die vergleichende Psychologie. Sie befaßt sich mit der Vergleichung der verschiedenen Entwicklungsstufen der Seele bei Tier und Mensch.
B. Die kollektive Psychologie.
- Die Völkerpsychologie schildert die Erscheinungsweise des Seelischen in der Gemeinschaft.
- Die ethnologische Psychologie oder die differentielle Psychologie der verschiedenen Völker und Rassen.
- Die Klassenpsychologie oder die differentielle Psychologie der Gesellschaftsklassen und Berufe.
II. Die Psychologie des kranken, anormalen Seelenlebens.
Diese Einteilung wählt das Subjekt der psychischen Vorgänge zum leitenden Gesichtspunkt. Sie kann ergänzt werden durch zwei andere Einteilungen, die entweder die psychischen Funktionen oder die Gegenstände der psychischen Funktionen berücksichtigen. Daraus ergibt sich eine Psychologie der Vorstellung, des Willens usw. auf der einen Seite, und eine Sprach-, Kunst-, Religionspsychologie auf der anderen. Die Einteilung nach Gegenständen führt theoretisch zu unbegrenzt vielen Zweigen der Psychologie. Praktisch werden indes nur jene bestehen können, die sich auf einen bedeutsamen Gegenstand beziehen oder eigenartige psychische Erscheinungen betreffen.
Wir besprechen im folgenden in erster Linie die Psychologie des normalen und gebildeten Erwachsenen. Doch werden wir an gegebener Stelle auch die andern Zweige der Psychologie zu Rate ziehen.
[1] Vgl. des Verfassers, „Umrißskizze zu einer theoretischen Psychologie“ 2. Aufl. 1923.