Neue Preußische (Kreuz-) Zeitung: Dieses Werk bietet tatsächlich einen Überblick über die wichtigsten Probleme der gesamten Philosophie. Daß dieser Überblick in sehr übersichtlicher, klarer Gliederung erfolgt, ist ein weiterer Vorzug des Werkes, das in vier Hauptteile zerfällt, von denen der erste Teil die allgemeine Metaphysik (Ontologie), der zweite metaphysische Fragen der Natur, der dritte die metaphysischen Fragen der Psychologie und der vierte das absolut Seiende (natürliche Gotteslehre) behandelt. Das Werk erscheint als eine moderne Scholastik, modern insofern, als sie sich auch mit den mannigfachen Fragen auseinandersetzt, die erst die neuere Philosophie aufgeworfen hat.

Münchner Neueste Nachrichten: Ein tüchtiges klares Lehrbuch ist Ludwig Baurs „Metaphysik“. Der Scholastik-Unkundige wird überrascht sein, wie weiten Spielraum das thomistische System auch dem empiristisch gebundenen Denken verstattet. Ein Beispiel ist etwa die behutsame Erörterung über die räumliche Endlichkeit oder Unendlichkeit der Schöpfung. Das übersichtlich gegliederte, an der dialektischen Methode des Aquinaten geschulte Werk überholt nach Inhalt und Form die früheren deutschen Lehrbücher über diesen Gegenstand.

Band VII

Ethik

von Professor Dr. Michael Wittmann

(G) geheftet M. 8.20, in Halbleinen 10 Mark

Der Verfasser stellte sich die Aufgabe, die Tatsache des sittlichen Bewußtseins mit Hilfe eines analytisch-induktiven und zugleich eines historisch-kritischen Verfahrens zu ergründen. Als Ausgangspunkt dient demgemäß nur der Inbegriff der sittlichen Tatsachen selbst. Das zergliedernde Denken will diese Tatsachen in ihre Bestandteile auflösen und so auf ihre Voraussetzungen zurückführen. Dies geschieht an Hand einer möglichst umfassenden geschichtlichen Orientierung. Als methodische Forderung gilt zur Behandlung philosophischer Probleme vor allem, die Bemühungen der Vergangenheit auf ihren Wert zu prüfen, in jeder Frage wenigstens die bedeutsameren Lösungsversuche alter und neuer Zeit zu würdigen, die notwendigen Gesichtspunkte also durch eine historisch-kritische Auseinandesetzung zu gewinnen und über die Vergangenheit hinauszustreben, soweit immer deren Bestimmungen unzulänglich erscheinen. Das Endergebnis dieser Untersuchung zeigt, daß die Sittlichkeit als Hintergrund eine bestimmte Weltanschauung fordert, daß unsere sittliche Gedankenwelt nur aus einer theistischen Weltbetrachtung verständlich zu machen ist; auf jedem anderen Hintergrunde verlieren die sittlichen Begriffe ihren Sinn und ihren Halt und treten in einen Prozeß der Auflösung ein.

(G) = Grundzahl × Teuerungszahl = Verlagsmarkpreis
Zu beziehen durch alle Buchhandlungen.

IM VERLAG JOHANN AMBROSIUS BARTH / LEIPZIG 265

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